Aus für "Die Woche"

8. März 2002, 10:48
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Neun Jahre nach der Gründung der Wochenzeitung erschien am Donnerstag die letzte Ausgabe

Trotz Relaunch Anfang des Jahres wird die Wochenzeitung "Die Woche" eingestellt. Der Vorstand der Hamburger Verlagsgruppe Thomas Ganske teilte am Mittwochabend mit, die Unternehmensgruppe sehe trotz hoher Investitionen wegen sinkender Anzeigenerlöse und stagnierender Auflage keine Aussichten auf eine positive Geschäftsentwicklung. "Unser journalistisches Projekt ist jetzt zu Ende gegangen", erklärte der "Woche"-Gründer Manfred Bissinger. Übernahme-Gespräche mit der WAZ-Gruppe waren erfolglos verlaufen. Nach Angaben der Geschäftsführung ist die am Donnerstag erschienene Ausgabe die letzte.

Keine Akzeptanz am Markt

Herausgeber Manfred Bissinger teilte mit, der Markt habe die 1993 gegründete Zeitung nicht wirklich akzeptiert. Zwar seien die 135.000 Exemplare und über 600.000 Leser pro Ausgabe eine stolze Zahl. Dennoch habe es nicht ausgereicht, um das journalistisch ehrgeizige Blatt weiter zu finanzieren. Für die bis zu 85 festen und rund 20 freien Mitarbeiter sollen am Donnerstag Gespräche über mögliche Übernahmen in andere Redaktionen der Ganske-Verlagsgruppe beginnen.

Die Ganske-Gruppe hatte zuletzt auf der Grundlage eines Briefes des Geschäftsführers der Essener WAZ-Gruppe, Erich Schumann, Kooperationsgespräche geführt, die allerdings am vergangenen Freitag ohne Ergebnis beendet wurden.

Mehrere Auszeichnungen

"Die Woche" war 1993 von Verleger Thomas Ganske und Bissinger gegründet worden und erschien im Jahreszeiten-Verlag, der zur Ganske-Gruppe gehört. Für ihre Gestaltung und Form wurde die Zeitung mehrfach ausgezeichnet.

Erste durchgängig farbig gestaltete Zeitung in Deutschland

Bei der Gründung der Zeitung setzten Ganske und Bissinger auf ein neues, ehrgeiziges Konzept: "Die Woche" war die erste durchgängig farbig gestaltete Zeitung in Deutschland und setzte auf ein leserfreundliches Layout. Namhafte Autoren wie Roger Willemsen, Michael Jürgs und Ulrich Wickert schrieben für das Blatt und sicherten dessen guten Ruf.

"Kein Nischenprodukt und keine Marketing-Idee"

Bissinger selbst zeigt sich in einer persönlichen Erklärung tief bewegt. "Die Woche" sei kein Nischenprodukt und keine Marketing-Idee gewesen, sondern ein journalistisches Projekt. "Vor allem aber waren wir uns sicher, dass so ein Blatt notwendig wäre und von den Leserinnen und Lesern auch gesucht würde", erinnerte sich der Herausgeber an die Gründungszeit. "Wir liebten unsere Arbeit; sie erwies sich als extrem befriedigend." Der Verleger betonte: "Es ist bedauerlich, dass der Markt unser gemeinsames Engagement nicht in der wirtschaftlich nötigen Weise honoriert hat."(APA/Reuters/AP/red)

Hiobsbotschaft

Die Einstellung hat die Redaktion kalt erwischt. "Vor neun Jahren, am 18. Februar 1993, erschien die erste Woche", schreibt Chefredakteurin Sabine Rosenbladt im Editorial, um in den folgenden Zeilen die neue Form des Blattes vorzustellen. "Wir hoffen, dass Ihnen die neue "Woche" gefällt, und dass es Ihnen ebenso viel Spaß macht, sie zu lesen, wie uns, sie zu produzieren", endet das Editorial der aktuellen - letzten - Ausgabe.

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Auch die Website scheint schon "geschlossen" zu sein. Unter www.woche.de erscheint der Text "www.woche.de".

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