China führend beim Menschenklonen

6. März 2002, 19:19
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Schon 1999 soll erstes Experiment gelungen sein

New York/Changsha - Das "therapeutische Klonen", über das im Westen lautstark debattiert wird, wird in China seit Jahren in aller Stille vorangetrieben: 1999 soll der erste derartige Klon erzeugt worden sein. Das berichtet das Wall Street Journal just zum Beginn der für die US-Gesetzeslage entscheidenden Sitzungen des US-Senats.

Demnach arbeiten in China mehrere Gruppen an der umstrittenen Technik zur Produktion von menschlichen Embryos als Transplantatlieferanten -, am weitesten ist jene von Lu Guangxiu, Reproduktionsmedizinerin in Changsha, Hunan. 1988 führte sie eine der ersten künstlichen Befruchtungen in China durch und widmete sich 1998 dem "Therapieklonen".

Zunächst versuchte sie es nach dem "Dolly"-Verfahren - ein Ei entkernen und dessen Erbinformation durch die einer Körperzelle ersetzen. Wegen geringer Erfolge entwickelte sie die Methode weiter und entkernte nicht vor dem Eingriff, sondern erst einige Stunden später. Damit hatte sie 1999 Erfolg. Seitdem kann sie fünf Prozent der Klone bis in jenes Entwicklungsstadium bringen ("Blastozyste"), in dem die begehrten Stammzellen "geerntet" werden können.

Stimmt das, ist Lu weiter als die US-Konkurrenz, die letztes Jahr den ersten "therapeutischen Klon" meldete, aber auf starke Expertenzweifel stieß. Ob es stimmt, ist nicht zu prüfen - es ist nichts publiziert -, wäre aber wenig verwunderlich, da China sich schon lange und auch in aller Stille in einem anderen Bereich der Biotechnik an die Weltspitze gearbeitet hat, in der Agrargentechnik. (jl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7. 3. 2002)

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