Wissenschaft als Wohltat

6. März 2002, 19:17
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Immer mehr Firmen finanzieren Uni-Professuren

Österreichs Universitäten nutzen immer mehr die Möglichkeit, Professuren mit Sponsoren zu finanzieren. Jüngstes Beispiel: der Lehrstuhl für Holzbau der Uni Innsbruck. Nach dem üblichen Bestellmodus mit Dreiervorschlag etc. steht fest: Ab Anfang April wird Michael Flach dieses Fach unterrichten. Die gut 363.000 Euro dafür berappen das Land Tirol und die dortige Holz- und Forstwirtschaft.

Insgesamt finanziert nach Auskunft des Bildungsministeriums die Privatwirtschaft derzeit Lehrstühle im Ausmaß von gut drei Millionen Euro (über mehrere Jahre). Wobei die Tiroler (mit den Linzern) generell über den besten Draht dorthin verfügen dürften (siehe Grafik unten). Denn in den zwei Jahren seit Bestehen der so genannten Stiftungsprofessuren haben auch die medizinische sowie die sozial- und wirtschaftswissenschaftliche Fakultät Sponsoren aufgetrieben, darunter die Hypo Tirol Bank für Matthias Bank, Bankwesen-Professor.

Stifters Erwartungen

Sein Resümee nach einem Semester in dieser hierzulande noch ungewöhnlichen Konstellation? "Ich kann meine Arbeit so machen, wie ich mir das vorstelle", antwortet der Deutsche. Also ganz ohne inhaltlichen Einfluss der Banker, Herr Bank? "Es wäre weltfremd", spricht der Bankwesen-Experte lieber im Konjunktiv, "wenn sich ein Stifter nichts erwarten würde."

Ein Stiftungsrat tage einmal im Semester darüber, ob man den angestrebten Zielen "näher gekommen" ist. "Nichts als ein Besprechungsgremium ohne Jurisdiktion", beruhigt Johann Popelak vom Bildungsministerium. "Es gibt unmittelbar keine Gegenleistung."

Sondern? "Eine Schwerpunktverlagerung", sagt Popelak, "kann ich nicht ausschließen, aber sie muss in den Katalog der Studienrichtung reingehören." Nachsatz: "Ab einer gewissen Größenordnung könnte es gefährlich werden, könnten Universitäten fremdbestimmt werden."

Aber davon sind die heimischen Hohen Schulen - etwa im Vergleich zu den USA - ohnedies weit entfernt. Noch stürmen die Unternehmen nicht scharenweise die Unis. So sucht etwa die Linzer Uni für künstlerische und industrielle Gestaltung schon seit einiger Zeit einen Mäzen für eine Stiftungsprofessur. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7. 3. 2002)

Von Roland Schönbauer
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