Jaguarpflege nach dem Prinzip "Hände weg!"

6. März 2002, 20:35
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Europas Zooverband empfiehlt Waffenbesitz

Amsterdam/Wien - Die Raubkatzenpflege in Zoos folge europaweit einem einzigen Prinzip: "Hände weg!". Das bekräftigt Koin Brouwer, Direktor der European Association of Zoos and Aquaria (Eaza).

Nur Blick- und Stimmenkontakt also zwischen den Wärtern und den Löwen, Tigern, Leoparden, Panthern, Jaguaren in sämtlichen 280 der Eaza angehörigen Tiergärten. Muss eine Großkatze tier ärztlich behandelt werden, so betäubt man sie, weil: "Das sind wilde, ungezähmte Tiere, auch wenn sie in Gefangenschaft geboren wurden."

Selbst im Zoo von Howletts (Großbritannien) habe man sich, so Brouwer, der Distanz empfehlung letztendlich angeschlossen, "nachdem hintereinander drei Pfleger von Tigern getötet wurden". Während etwa bei der Elefantenbetreuung die Frage, ob direkter Mensch-Tierkontakt angesagt sei, verschieden beantwortet werde: "Fest steht, dass Unfälle mit Elefanten weniger in Zoos als in Indien und Afrika passieren, wo sie frei leben."

Als größter Zooverband der Welt erteile die Eaza Tiergärten "Empfehlungen, keine Verpflichtungen", bei der Pflegerausbildung ebenso wie in Sicherheitsfragen, betont der Direktor: "Wir raten zu einem Alarmsystem per Telefon oder Walkie-Talkie. Dazu gehört auch, dass die obere Managementebene für den Fall der Fälle Waffen besitzt." Der Mitgliedszoo Schönbrunn verfüge über beides.

Vor allem aber sei Schönbrunn beim Artenschutz "up to date": dem Versuch, vom Aussterben bedrohte Tierarten wie Jaguare in Zoos zu züchten, um sie später wild auszusiedeln. Dieser Anspruch unterscheide "wissen schaftlich geführte Zoos von rein kommerziellen", erläutert Brouwer. Und weist stolz auf erfolgreiches Eaza-Lobbying für die Richtlinie über "artgerechte Tierhaltung" in der EU hin, die in Österreich noch nicht in allen Bundesländern umgesetzt worden ist. (DER STANDARD, Printausgabe 07.03.2002)

von Irene Brickner
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