Sharon: Militäraktionen sind Voraussetzung für "politischen Prozess"

6. März 2002, 17:08
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Israel soll sich auf "langen und harten Kampf" einstellen - 74 Palästinenser und 35 Israelis innerhalb von zehn Tagen getötet

Jerusalem - Der israelische Ministerpräsident Ariel Sharon hat die massiven Angriffe auf palästinensische Einrichtungen als Voraussetzung für die Rückkehr zu Friedensverhandlungen verteidigt. Die Militäraktionen seien "notwendig", um den Ausgangspunkt für einen "politischen Prozess" zu erreichen, sagte Sharon am Mittwoch beim Besuch eines Kontrollpunktes nahe der palästinensischen Ortschaft Tarkumie nordwestlich von Hebron, wie das israelische Radio berichtete. Die Armee greife dafür gezielt "terroristische Organisationen" und "Strukturen der Autonomiebehörde" an.

Israel müsse sich auf einen "langen und harten Kampf" einstellen. Sharon wurde bei den Gesprächen mit den Grenzsoldaten von Verteidigungsminister Benjamin Ben-Eliezer und dem Generalstabschef Shaul Mofas begleitet.

Angriffe auf Straßensperren

Der Fatah-Führer im Westjordanland, Marwan Barguti, hatte die Palästinenser am Dienstag zu Angriffen auf alle israelischen Straßensperren aufgerufen. Kein Soldat dürfe dort mehr sicher sein. Zuletzt waren am Sonntag an einem israelischen Grenzposten nahe Ramallah im Westjordanland sieben Soldaten und drei Siedler von einem Heckenschützen erschossen worden. Die israelische Armee bombardiert seit Tagen palästinensische Einrichtungen in den Autonomiegebieten.

Innerhalb der vergangenen zehn Tage, der blutigsten Phase seit Ausbruch des Palästinenseraufstandes Intifada vor 17 Monaten, sind 74 Palästinenser und 35 Israelis getötet worden. Dies ging am Mittwoch aus offiziellen Angaben beider Seiten hervor. Unter den getöteten Palästinensern sind auch fünf Selbstmordattentäter. Die neue Welle der Gewalt folgte einer Entscheidung des israelischen Kabinetts am 24. Februar, die Blockade des Palästinenserpräsidenten Yasser Arafat in der Stadt Ramallah aufrecht zu erhalten.

Seit Beginn des Aufstandes vor mehr als 17 Monaten sind nach Angaben des palästinensischen Roten Halbmonds 1.096 Palästinenser getötet worden. Nach Angaben der israelischen Armee wurden in diesem Zeitraum 321 Israelis Opfer des Konfliktes. (APA/dpa)

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