USA wollen Tribunal bei Festnahmen von Karadzic und Mladic helfen

6. März 2002, 16:41
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Del Ponte nach Washington eingeladen

Den Haag - Die USA haben dem UNO-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag ihre vollständige Unterstützung bei Verfolgung und Festnahme der angeklagten Serbenführer Radovan Karadzic und Ratko Mladic zugesagt. "Dieses Tribunal wird nicht geschlossen, bevor nicht Karadzic und Mladic hierher gebracht worden sind, um sich zu verantworten", versicherte am Mittwoch der amerikanische Sonderbotschafter für Kriegsverbrechen, Pierre-Richard Prosper, in Den Haag. Im Auftrag von US-Außenminister Colin Powell lud er Chefanklägerin Carla Del Ponte zu einem Gespräch über praktische Fragen der US-Unterstützung nach Washington ein. Das Treffen wurde für 18. März verabredet.

Prosper, der unter Del Ponte früher Ankläger im Tribunal für die Verfolgung von Verbrechen beim Völkermord in Ruanda war, wies vor Journalisten Vorwürfe zurück, dass er die Arbeit des Jugoslawien- und des Ruanda-Tribunals unterhöhle. Kritische Äußerungen vor einem US- Ausschuss seien von den Medien anders dargestellt worden als er sie gemacht habe. Del Ponte bestätigte dies. Sie bekräftigte ihre früheren Angaben, dass sie bis zum Jahr 2004 alle Ermittlungen über Verbrechen im früheren Jugoslawien mit konkreten Anklagen abschließen wolle. Prosper war kritisiert worden, weil er in den USA darauf gedrängt habe, beide Tribunale nicht länger als bis 2007 oder 2008 bestehen zu lassen.

"Fee splitting"

Der US-Botschafter bemängelte Fälle beim Jugoslawientribunal, bei denen vom Gericht bestellte Anwälte ihre Honorare mit Familien von Angeklagten ("fee splitting") geteilt hätten. Dies sei ein schwerwiegender Makel, meinte er. "Dies hat nichts mit dem Büro der Anklage zu tun, wir haben ganz andere Probleme", reagierte darauf Del Ponte.

Die Chefanklägerin sprach sich ebenso wie Prosper erneut dafür aus, möglichst viele Ermittlungen gegen mutmaßliche Kriegsverbrecher unterer oder mittlerer Ränge in Militär, Politik und in paramilitärischen Organisationen an die Justiz in den Ländern des früheren Jugoslawiens zu übertragen. Entsprechende Bemühungen hätten aber bisher nur zu ernüchternden Erfahrungen geführt, sagte sie. Einige Staaten erfüllten noch immer nicht ihre internationale Verpflichtung, die Ermittler des Tribunals zu unterstützen. Dazu gehöre vor allem unbehinderter Zugang zu wichtigen Dokumenten, Archiven und Zeugen sowie die Verfolgung und Festnahme von Angeklagten, erinnerte Del Ponte. (APA/dpa)

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