Zwei deutsche und drei dänische ISAF-Soldaten in Kabul getötet

6. März 2002, 19:04
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Flugabwehrraketen beim Entschärfen vorzeitig detoniert

Kabul/Berlin - Der Afghanistan-Einsatz der UNO-Sicherungstruppe ISAF hat bei der Bundeswehr erste Todesopfer gekostet: Beim Versuch der Beseitigung von zwei Flugabwehrraketen russischer Herkunft sind am Mittwoch in Kabul zwei deutsche und drei dänische Soldaten ums Leben gekommen. Die zur Sprengung vorbereiteten Raketen mit der NATO-Bezeichnung "SA 3 GOA" detonierten laut dem deutschen Generalinspekteur Harald Kujat trotz Einhaltung aller Sicherheitsvorschriften aus zunächst ungeklärter Ursache vorzeitig.

Außer den Toten gab es bei dem Unfall nach Angaben von Kujat drei schwer und je zwei mittel und leicht Verletzte. Sie würden im deutschen Sanitätszentrum sowie im französischen Lazarett in Kabul behandelt. Die Soldaten des österreichischen Bundesheeres, die derzeit bei der internationalen Friedensmission in der afghanischen Hauptstadt im Einsatz stehen, seien von dem Unfall nicht betroffen und wohlauf, versicherte das Verteidigungsministerium in einer Aussendung. Österreicher sind demnach für Entminungsaufgaben nicht vorgesehen.

Genaue Ursache unklar

Die genaue Ursache des Unfalls ist nach Angaben des Generalinspekteurs unklar. Es habe sich um erfahrene, gut ausgebildete Spezialisten der Kampfmittelbeseitigung gehandelt. Sie hätten auch über das Material und Gerät verfügt, das für solche Arbeiten notwendig sei. Alle vorgeschriebenen Verfahren seien eingehalten worden.

Die russischen Boden-Luft-Raketen gelten als höchst effektiv bei der Bekämpfung von Flugzeugen, Hubschraubern und sogar von Marschflugkörpern. Sie sind 6,10 Meter lang, 950 Kilogramm schwer und tragen einen 60 Kilogramm schweren hochexplosiven Splittergefechtskopf.

Die US-Armee setzte unterdessen ihre Angriffe auf Stellungen mutmaßlicher El-Kaida- und Taliban-Kämpfer in den Arma-Bergen in der ostafghanischen Provinz Paktia unvermindert fort. "Etwa die Hälfte" der rund 700 in den Bergen südlich von Gardes verschanzten Kämpfer sei bei den Gefechten umgekommen, sagte der Kommandant der "Operation Anaconda", Generalmajor Frank Hagenbeck, in Sirkankel.

Der "Feind" sei mittlerweile "stark geschwächt", erläuterte ein verbündeter afghanischer Kommandant. Auch die Verstärkung aus Pakistan und die Unterstützung aus den Dörfern der Region für die gegnerischen Truppen bleibe aus, sagte Adbul Matin Hassan. "Die Bewohner von Paktia wollen sie loswerden." Die Arma-Berge seien die "letzte isolierte Terroristenbasis in Afghanistan", sagte der afghanische Übergangspräsident Hamid Karsai in Kabul. In ein bis zwei Tagen könne die Offensive dort erfolgreich beendet werden.

In Kabul kamen die einflussreichsten Kriegsherren der afghanischen Provinzen mit Vertretern der Übergangsregierung und der UNO zu einer Konferenz über die Sicherheit in dem vom jahrzehntelangen Bürgerkrieg geprägten Land zusammen. An der Konferenz nahmen unter anderen die Kriegsherrn Abdul Raschid Dostum und Ismail Khan sowie der Chef der Übergangsregierung, Hamid Karsai, und der UNO-Sonderbeauftragte Lachdar Brahimi teil. Verteidigungsminister Mohammed Kasim Fahim sagte, die Kriegsherren sollten sich am Aufbau der regulären afghanischen Armee beteiligen. (APA/AP/Reuters)

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