Lebenslang für Ex-Pastor Pandy

7. März 2002, 14:51
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Brüssel: Vater und Tochter des Mordes schuldig gesprochen

Ein Brüsseler Geschworenengericht hat am Mittwoch nachmittag den ungarischen Pfarrer Andras Pandy und dessen Tochter Agnes des mehrfachen Mordes und Mordversuchs an sechs anderen Familienmitgliedern für schuldig befunden, obwohl die Leichen der Opfer bis heute nicht gefunden wurden.

Der Geistliche wurde zu lebenslanger Haft verurteilt, seine Tochter zu 21 Jahren Gefängnis. Da sie mit ihren Aussagen die Ermittlungen überhaupt erst in Gang gebracht hatte und als Hauptbelastungszeuge gegen ihren Vater auftrat, gestand ihr das Gericht mildernde Umstände zu und blieb unter der Forderung der Staatsanwaltschaft, die 25 bis 29 Jahre Gefängnis gefordert hatte.

Widersprüchliche Aussagen von Vater und Tochter

Agnes Pandy berichtete dem Gericht, ihr Vater habe die Opfer erschossen, mit ihrer Hilfe zersägt und mit scharfem Rohrreiniger aufgelöst. Die Knochen habe er um ein Schlachthaus in Anderlecht verstreut. Tatsächlich wurden die Leichen der Opfer nie gefunden.

Pandy beharrte während des Prozesses hartnäckig darauf, die Verschwundenen seien am Leben und würden nach seinem Freispruch wieder auftauchen. Er hielt eine wirre Abschlussrede, in der er dem Gericht vorwarf, mit ihm kurzen Prozess zu machen, um sich anderen Verbrechen widmen zu können.

Seine Tochter Agnes erklärte, sie bereue ihre Taten zutiefst. Die Toten hätten seit Jahren ihr Gewissen belastet. Damals habe sie aber unter so großem Einfluss ihres Vaters gestanden, dass sie sich der Tatbeteiligung nicht habe widersetzen können. Ihr Vater habe während des Zersägens der Leichenteile einmal zu ihr gesagt: "Da siehst du, wie es dem geht, der sich mir entgegenstellt." (DER STANDARD, Printausgabe 06.03.2002)

von STANDARD-Mitarbeiter Klaus Bachmann aus Brüssel
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