"Prostitution ist ein Gewaltakt gegen die Frauen"

7. März 2002, 10:12
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Französische AktivistInnen und Teile der Regierung fordern generelle strafrechtliche Verfolgung der Prostitution

Paris - Während man in Deutschland und den Niederlanden eine gesetzliche Regelung der Prostitution anstrebt, hat sich Frankreich nun eindeutig auf die Seite jener Länder geschlagen, die wie etwa Schweden die "Liebe auf Bezahlung" abschaffen wollen. Die Prostitution "ist ein Gewaltakt gegen die Frauen, zumal sie ihre Menschlichkeit in Abrede stellt", heißt es in einem Bericht, den Frauen-Staatssekretärin Nicole Pery anlässlich des Frauentages am 8. März vorgelegt hat.

Strafrechtliche Verfolgung für Prostitution

Die französische Linksregierung verurteilt damit nicht nur Zuhälterei und Mädchenhandel, sondern die Ausübung des "ältesten Gewerbes der Welt" schlechthin. Außer der Jugendprostitution und dem Menschenhandel soll nun die Prostitution schlechthin strafrechtlich verpönt werden. In den ersten beiden Bereichen hat das französische Parlament bereits vor zwei Wochen entsprechende Gesetzentwürfe in erster Lesung genehmigt. Ein strafrechtliches Verbot der Prostititution erscheint allerdings als weitaus schwieriger.

"In Frankreich sind 90 Prozent der Parlamentarier Männer. Daher sind oder waren statistisch gesehen ein großer Anteil von ihnen 'Kunden'. In Schweden dagegen sind 46 Prozent der Abgeordneten Frauen", betonte etwa Malka Marcovich, Präsidentin der "Bewegung zur Abschaffung der Prostitution, der Pornografie und jeder Form sexueller Gewalt" (MAPP). Es sei daher nicht zu erwarten, dass die "Kunden" in Frankreich gleich wie in Schweden strafrechtlich verfolgt werden.

Veränderung der Mentalität

Staatssekretärin Nicole Pery will das Problem zunächst durch die Veröffentlichung einer Reihe von Studien in Angriff nehmen, welche auf die psychischen, physischen und sozialen Probleme hinweisen, denen die Prostituierten im Laufe ihres Lebens ausgesetzt sind. "Wenn die Mentalität sich erst einmal geändert hat, dann wird es auch möglich sein, gesetzlich einzugreifen", so Nicole Pery.

Gleichzeitig warnte die Staatssekretärin vor der Gefahr, dass die Prostitution von den EU-Ländern "institutionalisiert" werde. Die Gefahr erscheint laut Malka Marcovich als umso größer, als eine Hure ihrem Zuhälter durchschnittlich 107.000 Euro im Jahr einbringt. "Die Zuhälter stellen eine Wirtschaftsmacht dar und haben die NGOs infiltriert, während die Femministinnen bloß mit ethischen Argumenten aufwarten können", meinte die MAPP-Chefin und erinnerte daran, dass der Prostitutionsmarkt weltweit mit 5,4 bis 7,6 Mrd. Euro beziffert wird. (APA)

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