"Surrealistische Revolution" in Paris

6. März 2002, 15:07
posten

600 Werke von 60 Künstlern im Centre Pompidou ausgestellt - Max Ernst als Schwerpunkt

Paris - Auf den Titel der Zeitschrift "La revolution surrealiste" bezieht sich die große Ausstellung Centre Pompidou bezieht, die am Mittwoch eröffnet wurde. Mit mehr als 600 Werken gilt sie als eine der umfassendsten Surrealisten-Präsentationen seit Jahrzehnten in Paris. Die Schau dauert bis zum 24. Juni und ist vom 30. Juli an in Düsseldorf in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen zu sehen.

Die Ausstellung "Surrealistische Revolution" konzentriert sich auf die Blütezeit der Bewegung zwischen 1920 und 1940 und zeigt Meisterwerke, vor allem Gemälde, Collagen, Zeichnungen und Skulpturen, von 60 herausragenden Künstlern wie Salvador Dali, Joan Miro, Giorgio de Chirico, Andre Masson, Marcel Duchamp, Francis Picabia, Hans Bellmer, Alberto Giacometti und Rene Magritte.

Ausstellungsleiter Werner Spieß, von 1997 bis 2000 Leiter des Kunstmuseums im Pariser Centre Pompidou, ist ein ausgewiesener Kenner der Moderne und Spezialist für Pablo Picasso und Marx Ernst. Darum ist es auch wenig erstaunlich, dass diesen beiden Meistern viel Ausstellungsplatz gewidmet wird, vor allem den Werken von Max Ernst.

Gleich zu Beginn der Ausstellung trifft der Besucher auf Beispiele für die von Ernst sehr früh verwendete Technik der Collage. So sind die Werke "Frau wirtin an der lahn................." und "Das schlafzimmer des meisters es lohnt sich darin eine nacht zu verbringen" zu sehen, auf denen der 1891 geborene Künstler nicht zusammengehörige Bildelemente kombiniert. Zu den Höhepunkten der Ausstellung gehören auch zwei Werke des in Brühl bei Köln geborenen Malers, die erstmals wieder nach Jahrzehnten zusammen gezeigt werden: Dabei handelt es sich um 1923 für den Dichter Paul Eluard geschaffene Wandgemälde. Das Bild "Histoire naturelle" kam aus der Sammlung des Museums für zeitgenössische Kunst in Teheran nach Paris, "Au premier mot limpide" (Beim ersten klaren Wort) gehört der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen.

Zu Beginn der Ausstellung wird der Besucher von dem 1928 von Magritte entstandenen Bild "Lesende" empfangen, einer schwarzhaarigen jungen Frau, die mit entsetzten, weit aufgerissenen Augen auf ein aufgeschlagenes Buch starrt. Der belgische Maler, der vertraute Objekte verfremdete, ist mit Werken wie "Le double secret" (Das doppelte Geheimnis) oder "Le sens de la nuit" (Der Sinn der Nacht) vertreten.

Weiterer Höhepunkt der Ausstellung ist die Rekonstruktion des Büros von Andre Breton, des Haupttheoretikers des Surrealismus und Gründers der Zeitschrift "Die surrealistische Revolution". Zu den 200 Gegenständen, die sich in dem Arbeitszimmer des Schriftstellers befanden, gehören auch Gemälde von Pablo Picasso, Wassily Kandinsky, dazu viele afrikanische Masken und Skulpturen.

Auch wenn einige Stimmen monierten, dass es an wichtigen Künstlern wie Karel Teige und Toyen fehle, der gewählte Zeitraum zwischen 1920 und 1940 willkürlich und Max Ernst überrepräsentiert sei, so bleibt die neue Ausstellung dennoch eines der wichtigsten Kulturereignisse der Pariser Kultursaison. (APA/dpa)

  • Das ist freilich kein Max Ernst, sondern "Le modèle rouge" von René Magritte (1935). Und genau genommen  nicht einmal das ...
    foto: centre pompidou

    Das ist freilich kein Max Ernst, sondern "Le modèle rouge" von René Magritte (1935). Und genau genommen nicht einmal das ...

Share if you care.