Kein Treibhausklima, sondern Ende des "Kühlhausklimas"

7. März 2002, 13:01
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Deutscher Geologe: Erdgeschichtlich gesehen kennt der Mensch nur extreme Kälte - nun kehrt der "Normalzustand" zurück

Berlin - Ende einer Eiszeit: Der deutsche Geologe Peter Neumann-Mahlkau gehört zu denen, die die Ursache des Klimawandels nicht beim Menschen sehen - oder zumindest nicht primär bei ihm. Die gegenwärtige Erwärmung - die im übrigen nicht in Abrede gestellt wird - liege in langfristigen Veränderungen des Erdklimas begründet, wie sie seit Jahrmilliarden stattfinden. Ihre Beeinflussung liege außerhalb der Möglichkeiten des Menschen, so Neumann-Mahlkau.

Der ehemalige Präsident des Geologischen Landesamtes Nordrhein-Westfalen weist auf die sehr kurze Geschichte der genauen Wetterbeobachtung und -aufzeichnung hin: grade einmal 150 Jahre ist sie alt. Dem Geologen hingegen stünden für die Beschreibung der Klimageschichte der Erde Daten aus mehr als drei Milliarden Jahren zur Verfügung.

"Normalzustand Treibhausklima"

In diesen drei Milliarden Jahren Erdgeschichte hat laut Neumann-Mahlkau größtenteils "Treibhausklima" geherrscht und nur während fünf "kurzer" Eiszeiten "Kühlhausklima": vor 2,4 Milliarden, 700 Millionen, 400 Millionen und 250 Millionen Jahren. Zumindest der Zeitpunkt "vor 700 Millionen Jahren" ist dabei als eher willkürlich gewählt anzusehen: die Theorien von der Totalvereisung des "Schneeballs Erde" nennen einen Zeitraum von 750 bis 580 Millionen Jahre vor unserer Zeit, in dem die Ede möglicherweise bis zu vier mal komplett eisbedeckt war.

Derzeit befinden wir uns "am Ende einer fünften Eiszeit". Diese begann vor ca. 3 Millionen Jahren und war ihrerseits unterteilt in Kälteperioden (im täglichen Sprachgebrauch dieEiszeiten) und "Zwischeneiszeiten" genannte Wärmeperioden, in denen es teilweise wärmer war als heute. Ob wir uns derzeit in einer solchen Zwischeneiszeit befinden oder am Ende der gesamten "Makro-Eiszeit", kann nur spekuliert werden. Der Mensch als Homo sapiens in seiner jetzigen Entwicklungsstufe existiert jedenfalls erst seit der letzten bzw. gegenwärtigen Eiszeit und kennt daher, so Neumann-Mahlkau, nur die erdgeschichtlich extreme Situation des Kühlhausklimas.

Kalt trotz CO2?

Dass der CO2-Gehalt der Atmosphäre für die globale Durchschnittstemperatur verantwortlich ist, bestreitet Neumann-Mahlkau entschieden. Er verweist unter anderem darauf, dass die Atmosphäre vor 1.000 Millionen Jahren einen CO2-Gehalt von 12,0 Prozent gegenüber den heutigen 0,03 Prozent gehabt habe. Selbst zur Eiszeit vor 225 Millionen Jahren sei der CO2-Gehalt mit 1,5 Prozent 50 mal so hoch gewesen wie heute. Es sei schwer erklärbar, wie angesichts dieser Fakten Kohlendioxid für ein Treibhausklima verantwortlich sein könne, so der Geologe.

Neumann-Mahlkau verweist zudem auf kurzfristige Klimaschwankungen, so genannte "Klima-Episoden", die ebenfalls mit dem CO2-Gehalt nicht erklärbar seien. So habe es um das Jahr 1000 ein Klimaoptimum gegeben, das beispielsweise in Pommern, Ostpreußen und Dänemark den Anbau von Wein ermöglicht habe. Zur gleichen Zeit besiedelten die Wikinger die eisfreien Flächen Grönlands, und in Labrador habe nachweislich Ackerbau betrieben werden können. Vom 14. Jahrhundert bis etwa 1890 hingegen habe es eine "kleine Eiszeit" gegeben, in der die Gletscher vorgestoßen seien, das Leben in Holland sich auf zugefrorenen Grachten abgespielt habe und die Menschen über die gefrorene Ostsee nach Schweden spaziert seien (letzteres war allerdings auch im 20. Jahrhundert oft möglich: Finnen fuhren nicht selten im Auto "übers Meer").

Klimaschwankungen die Regel, nicht die Ausnahme

Das Fazit des Wissenschafters: "Klimaschwankungen sind in den drei Milliarden Jahren Klimageschichte die Regel, ohne Zutun beziehungsweise ohne Anwesenheit des Menschen auf der Erde ... Auf keinen Fall bestand oder besteht ein ursächlicher Zusammenhang zwischen dem CO2-Gehalt der Atmosphäre und der globalen Durchschnittstemperatur." Offen bleibt dabei freilich, wie sehr die langfristige natürliche Erwärmung durch die "Mithilfe" des Menschen beschleunigt und verstärkt wird ... (APA/red)

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