SMS-Service bei Öffi-Störungen: kaum Interesse

8. März 2002, 20:31
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Nahverkehrssymposium in Linz

Linz - Manchmal klingen neue Ideen, den öffentlichen Verkehr attraktiver zu machen, bestechend - werden dann aber in der Praxis von den KundInnen bestraft. Die Möglichkeit, Fahrgäste per SMS über Störungen zu informieren, wurde eine Zeit lang auch in Wien forciert - doch am Freitag berichtete der Marketingdirektor des Pariser Verkehrsverbunds RATP, Patrick Vautier, bei einem Fachkongress im Linzer Design-Center von einem ernüchternden Versuch, dies umzusetzen.

Das Alarmierungsservice für Öffi-BenutzerInnen per SMS wurde in Frankreichs Hauptstadt 2001 eingerichtet. Für eine Gebühr von zwei Euro konnte man sich registrieren lassen und erhielt im Falle von Störungen eine Kurzmitteilung aufs Handy gesandt.

Nach zwei 220.000 Euro teuren Werbekampagnen hält man derzeit bei rund 800 AbonnentInnen. Die Gründe für das Scheitern lagen laut Vautier auf mehreren Ebenen. Erstens gab es keine Möglichkeit, die Benachrichtigung abzube-stellen. So bekam man an seinem freien Tag um 6.30 Uhr Meldungen. Auch der Registrierungsprozess sei zu kompliziert gewesen und schließlich waren die Fahrgäste nicht wirklich bereit, für die Information, dass ihr Verkehrsmittel nicht fährt, zu zahlen. Im September startet nun ein neuer Versuch mit einem geänderten Verfahren. Statt automatisch informiert zu werden, sollen die KundInnen Anfragen senden können.

Hohe Zufriedenheit

Gleichzeitig können sich die Betreiber des öffentlichen Verkehrs in und um Wien freuen: Bei einem internationalen Benchmarking-Projekt zur KundInnenzufriedenheit erreichten die Wiener Linien und der Verkehrsverbund Ost-Region (VOR) Spitzenplätze.

Acht europäische Großstädte nahmen im vergangenen Jahr an dem BEST abgekürzten Projekt teil. Neben den Hauptstädten Skandinaviens auch Barcelona, München, Turin und Wien. In einer telefonischen Umfrage wurden je 1000 Bewohner der Kommunen und des Umlandes über verschiedene Parameter des öffentlichen Verkehrs befragt.

Wien landete in allen Kategorien auf den ersten drei Plätzen, in den Bereichen Sicherheit und Information schnitt man sogar am besten ab, berichtete Michael Lichtenegger von den Wiener Linien bei dem Linzer Kongress.

Nun werden Arbeitsgruppen eingerichtet, in denen die beteiligten Unternehmen ihre Strategien austauschen und gute Ideen anderer Städte übernehmen können. (DER STANDARD, Printausgabe 09./10.03.2002)

von Michael Möseneder
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