Regina T., Pendlerin

6. März 2002, 14:26
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Regina T., Pendlerin, 42 Jahre alt, 3 Kinder (Zwillingsmädchen 19 Jahre, Bub 10), im Dezember ist ihr Ehemann mit einem LKW verunglückt, schwer verletzt, er ist derzeit bettlägerig, somit pflegebedürftig.

4.30 Uhr: Aufstehen, frühstücken, Mann medizinisch versorgen 5.45 Uhr: Zug nach Wien 6.15 Uhr Ankunft in Wien, 7 Uhr: Beginn des ersten Pflegeeinatzes: das reicht von KlientInnen waschen, aus dem Bett helfen, in Sessel oder Rollstuhl helfen, Zähne putzen, frisieren, Mobilisierung: Gehübungen mit oder ohne Rollator, reden, Spaziergänge sind nicht finanzierbar - zu wenig Zeit, würde zu viel kosten. Im Durchschnitt schafft man zwischen vier und zehn KlientInnen am Vormittag. Je nach dem, ob der/die KlientIn nur eine Insulinspritze braucht oder eine Ganzkörperpflege. Um 13 Uhr endet der Vormittagseinsatz. Je nach Dienstplan gibt es auch Abendeinsätze (von 16 bis 20 Uhr) und Wochenenddienste. Die zwei bis drei Freistunden zwischen den Einsätzen bin ich oft zu meinem Mann ins Krankenhaus oder schnell nach Hause gefahren, habe für ihn und die Kinder was gekocht und bin dann wieder nach Wien zum Abendeinsatz gefahren. Das sind aber Tage, da bist du erschöpft. Denn die Arbeit ist teilweise schon sehr belastend, weil viele KlientInnen schwer krank sind. Aber ich liebe meinen Beruf, ich würde nicht tauschen, er würde mir abgehen. Trotzdem hab ich oft ein schlechtes Gewissen, meinen Kindern gegenüber, denn das Heim leidet durch meinem Stress. Auch 19 jährige Kinder brauchen ihre Mama, zum reden und zuhören. Und der Kleine - ich würde so gerne mehr mit ihm Spielen, aber mein Kopf ist oft ganz woanders. Zwischen 22 und 23 Uhr falle ich in erschöpftem Zustand ins Bett, gewöhnlich schlaf ich innerhalb von zehn Minuten tief ein. Ich komm' nicht zum fernsehen oder lesen, von mir aus könnt ein Krieg ausbrechen und ich würd’ nix davon merken.

Frauentag? Ach ja, voriges Jahr bin ich im Zug drauf gekommen, dass am 8. März Frauentag ist, denn der Schaffner hat mir nur den halben Preis für die Zugkarte verrechnet - das tut schon gut.

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