Prozess gegen Karl Kralowetz eröffnet

6. März 2002, 21:05
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Kralowetz-Verteidiger zweifelt Rechtsbasis für Verfahren an

Luxemburg - Im Prozess gegen den niederösterreichischen Transport-Unternehmer Karl Kralowetz in Luxemburg um die Ausbeutung mittel- und osteuropäischer Fahrer hat am Mittwoch der Chefkommissar der Luxemburger Kriminalpolizei von Sozial- und Lohndumping berichtet. Der Zeuge berief sich auf Verhöre von 77 Fahrern des Speditionsunternehmens United Cargo Lux (UCL) aus dem luxemburgischen Esch/Alzette. Kralowetz soll die Fahrer pro gefahrenen Kilometer mit neun oder zehn Cent bezahlt haben. Der 45-Jährige wird in dieser Sache auch von der Staatsanwaltschaft München II verfolgt.

Vorwürfe

Urlaubs- und Krankengeld sei offenbar gar nicht gezahlt worden, sagte der Kommissar. Nach Darstellung der Fahrer sollen viele 26 Stunden ohne Pausen unterwegs gewesen sein und daher bis 20.000 Kilometer pro Monat zurückgelegt haben. Bei einem Monatsgehalt zwischen 1.000 und 1.125 Euro seien die Fahrer davon ausgegangen, dass Kralowetz - entgegen deutschen Anschuldigungen - Steuern und Sozialabgaben abgeführt habe. Zudem sei ein Teil der Löhne bei Unfällen und Fahrzeug-Schäden einbehalten worden, auch dann, wenn die Versicherung den Schaden bereits beglichen hatte, berichtete der Kommissar von den Verhören.

Infragestellung

Kralowetz' Verteidiger Roland Michel stellte die Aussage in Frage. Die Fahrer seien Ende Jänner in Eile und ohne Dolmetscher in Luxemburg vernommen und dann schnell auf Kosten der Luxemburger Regierung in ihre Heimatländer geflogen worden, sagte Michel. Ein Zollbeamter sagte aus, zur Vertuschung überschrittener Lenkzeiten seien möglicherweise Tachoscheiben gefälscht worden. Der Kommissar ergänzte, bei UCL hätten 15.000 Tachoscheiben archiviert sein müssen. Bei regelmäßigen Kontrollen seien aber meist nur 3.000 bis 4.000 gefunden worden. Kralowetz dementierte die Vorwürfe erneut und erklärte, dass die Fahrer die Tachoscheiben verloren oder nicht abgegeben hätten.

Die Staatsanwaltschaft in München wartet auf die Auslieferung des Österreichers. Die Ermittler werfen ihm vor, hunderte Ausländer mit falschen Papieren in die Europäischen Union eingeschleust zu haben. (APA)

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