Versehen der Pflegerin führte zum Unglück

6. März 2002, 17:10
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Offener Schuber ermöglichte Jaguar-Attacke

Wien - Ein Fehler der Pflegerin führte zu der Tragödie von Schönbrunn: Die 21-jährige Frau dürfte am Dienstag übersehen haben, dass zwischen dem Inneren des Geheges und dem Boxenbereich, in dem die gefährlichen Jaguare während der Vorbereitung der Fütterung untergebracht waren, ein Schuber geöffnet war. Als sie aus ungeklärten Gründen wieder in den Käfig zurückging, drangen die drei Raubkatzen über dieses Schlupfloch in ihr "Revier" ein und griffen unverzüglich an: Die Pflegerin war sofort tot.

Ereignishergang

AKH-Chef Univ.-Prof. Dr. Reinhard Krepler hatte bereits Mittwoch früh einige Zeit mit Pechlaner über den Hergang der tragischen Ereignisse gesprochen. Daraus ergibt sich folgendes Bild: "Dr. Pechlaner wurde im Restaurant des Tiergartens alarmiert. Er lief sofort zum Raubtiergehege. Da bemerkte er, dass er seine Schlüssel im Büro vergessen hatte. Das hat ihm wahrscheinlich das Leben gerettet, weil er sonst sofort in das Gehege vorgedrungen wäre", erzählte Krepler.

So alarmierte Pechlaner über sein Handy seine Kollegen, lief zum Direktionsgebäude, besorgte sich einen Schlüssel, als er zurück kam, war bereits weitere Hilfe da.

Tiere versucht mit Wasserschlauch zu vertreiben

Pechlaner hat mit einem Schlauch in das Gehege hinein gespritzt, um die Tiere zu vertreiben. Das ist ihm zunächst auch gelungen. Als er schließlich eine mit einem Gitter versehene Tür zugehalten und gleichzeitig mit dem Schlauch die Tiere angespritzt, sind die Prankenschläge erfolgt.

Pistolenschuss traf Jaguar an der Pfote

Danach versuchte man, wie Zoologe Harald Schwammer berichtete, verzweifelt, die Tiere von der 21-Jährigen weg zu bringen, das Mittel der Wahl war zunächst ein Wasserstrahl. Doch bei einer neuerlichen Attacke feuerte der inzwischen eingetroffene Harald Schwammer einen Pistolenschuss auf eine der Katzen ab, die in der Vorderpfote getroffen wurde. Durch den Knall erschreckt, zogen sich die Jaguare zurück. Doch für die junge Frau kam jede Hilfe zu spät. Für die Besucher habe niemals eine Gefahr bestanden.

Tiere verteidigten ihr Revier

Die drei im Herbst 1993 in Dortmund geborenen Jaguar-Geschwister, die im Jahr darauf nach Schönbrunn kamen, hätten zusammen attackiert. "Sobald jemand in ihr Revier eindringt, stürzen sich die Raubkatzen auf ihn - Das ist ein spezielles Verhalten beim Jaguar." Ein minimaler Trost für die Angehörigen: Die Pflegerin ist praktisch sofort, innerhalb von Sekunden, gestorben sein

Unter dessen fühlt sich Helmut Pechlaner nach den Worten seines Stellvertreters mental nicht gut. "Er fühlt sich verantwortlich, weil es sein Betrieb ist", so Gerhard Kasbauer. Zur Frage einer etwaigen Haftung hieß es, der Tiergarten sei in die Pflicht zu nehmen bzw. die Haftpflichtversicherung habe Regressansprüche bei einem schuldhaften Verhalten des Dienstgebers. "Aber nicht bei menschlichem Versagen"

Verletzter Jaguar wurde betäubt

Nachdem der verletzte Direktor ins AKH gebracht worden war, betäubte der Veterinär Thomas Voracek die Raubkatze und versorgte deren Wunde. Den Jaguaren wird nichts geschehen, sie werden in Schönbrunn bleiben, bekräftigte Schwammer. Diese seien eben Wildtiere und würden artspezifisch ihr Revier verteidigen. (APA)

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