Milosevic: El-Kaida-Kämpfer im Kosovo

8. März 2002, 16:41
36 Postings

Ex-Präsident weiß von Beteiligung während des Krieges und beruft sich im Kreuzverhör erstmals auf US-Kongressdokumente

Den Haag - Nach den Worten des früheren jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic waren El Kaida-Kämpfer in den Kosovo-Krieg verwickelt. Vor dem UNO-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag fragte Milosevic am Freitag den kosovo-albanischen Bürgerrechtler Sabit Kadriu in einem Kreuzverhör, ob er von den Aktivitäten Osama bin Ladens im Kosovo wisse. Kadriu, der zuvor über Gräueltaten der jugoslawischen Armee im Kosovo ausgesagt hatte, sagte dazu, derartige Behauptungen lägen jenseits seiner Vorstellungskraft.

Milosevic präsentierte daraufhin ein Dokument der US-Bundespolizei FBI vom Dezember 2001, das die Aktivitäten von in Afghanistan ausgebildeten El-Kaida- und Mudschaheddin-Kämpfern im Kosovo-Konflikt dokumentieren soll.

Bereits vor Beginn des Prozesses hatte Milosevic eine Verbindung von Bin Laden mit der Kosovo-Befreiungsarmee UCK angedeutet. Sein Bruder Borislav Milosevic hatte im Februar in Moskau erklärt, Bin Laden sei 1998 zu einem Besuch in Albanien gewesen. Dies hatte die Regierung in Tirana dementiert. Milosevic ist wegen Kriegsverbrechen, Völkermords und Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Kosovo, in Bosnien und Kroatien angeklagt.

Erstmals US-Kongressdokumente präsentiert Milosevic hat sich vor dem UNO-Kriegsverbrechertribunal damit zum ersten Mal auch auf Dokumente des US-Kongresses berufen, um die Aussage eines weiteren Zeugen zu bestreiten. Nachdem der Zeuge, ein früherer Leiter des Menschenrechtsausschusses in der Kosovo-Stadt Vucitrn (Albanisch: Vushtre), die Behauptungen Milosevics bestritten hat, wonach im Kosovo auch islamische Extremisten, die Mudschahedin, tätig gewesen seien, las Milosevic aus einem Kongressbericht vor, in dem von der Aktivität islamischer Kämpfer in Bosnien, dem Kosovo und Albanien die Rede ist. Der Zeuge Savit Kadriu blieb bei seiner Aussage. Im Kosovo habe es keine Mudschahedin gegeben, wiederholte er.

Milosevic beruft sich auf Human Rights Watch

Milosevic hat sich im weiteren Verlauf der heutigen Verhandlung auch auf eine Veröffentlichung der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch berufen, um die Angaben des Zeugen über die Ermordung ganzer albanischer Familien durch die Sicherheitskräfte als "gewöhnliche Manipulationen" zurückzuweisen.

Nach Angaben von Milosevic waren Mitglieder der Familie Ahmeti im Dorf Cirez (Albanisch:Qirez) im Februar 1998, aber auch der Familie Gevxhaliu im Dorf Studimlja (albanisch: Studime) Opfer der heftigen Kämpfe zwischen den serbischen Sicherheitskräften und der albanischen "Befreiungsarmee des Kosovo" (UCK) geworden. "Es gibt Zeugen, die besagten, dass die Familie Gevxhaliu von albanischen Banditen aus der UCK ermordet worden ist", machte sich Milosevic für seine Argumente stark. Er berief sich dabei auch auf einen Bericht von Human Rights Watch.

Kadiu: 600 Albaner 1999 getötet

Nach Angaben von Savit Kadiu waren auf dem Gebiet von Vucitrn alleine im Jahre 1999 fast 600 Albaner von serbischen Sicherheitskräften getötet und weitere 300 verwundet worden. 109 Albaner gelten weiterhin als verschollen. Während des Kosovo-Krieges wurden 8.000 Häuser auf dem Gebiet von Vucitrn beschädigt, dabei 4.000 völlig zerstört, berief sich Kadriu auf Angaben des von ihm geleiteten Menschenrechtsausschusses.

Milosevic war nicht bemüht, im Kreuzverhör die Opferzahl in Frage zu stellen, sondern die Verantwortung für ihren Tod von den serbischen Sicherheitskräften auf die UCK abzuwälzen. (APA)

Share if you care.