Venedig verschanzt sich hinter aufblasbarem Staudamm

6. März 2002, 11:52
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Bau eines beweglichen Sperrensystems an den drei Öffnungen zwischen Lagune und Meer

Venedig - In Venedig beginnt im Dezember der Bau eines beweglichen Sperrensystems an den drei Öffnungen zwischen Lagune und Meer, das die Stadt vor Hochwasser schützt soll. Nach der Genehmigung des interministeriellen Ausschusses erhielt das Projekt nun auch Grünes Licht der städtischen Behörden. In spätestens neun Monaten soll mit der Errichtung einer aufblasbaren Staumauer begonnen werden, die Venedig künftig vor Überschwemmungen bewahren soll, meldeten italienische Medien am Mittwoch.

"Mose"

Das definitive Projekt, das offiziell im September vorgestellt wird, sieht den Aufbau des geplanten mobilen Deichsystems "Mose" (Experimentelles Elektromechanisches Modul) vor, das auch von internationalen Experten begrüßt wurde. Die an vier Zylindern befestigte Stauvorrichtung soll normalerweise am Grund der Lagune liegen. Sobald der Meeresspiegel in der Adria steigt, sollen sich die etwa 20 Meter hohen Zylinder automatisch aufblasen und die Sperre heben, um so eine Überflutung der tiefer liegenden Stadt zu verhindern. Dies wäre Schätzungen zufolge 40 bis 50 Mal pro Jahr nötig.

Über Möglichkeiten, Venedig vor den regelmäßigen Überschwemmungen zu schützen, wird seit der Flut vom November 1966 diskutiert, als die berühmte Piazza San Marco mehr als einen Meter hoch unter Wasser stand. Seit Anfang des Jahrhunderts ist Venedig um 26 Zentimeter abgesunken. Gegen "Mose" sprachen zunächst Zweifel an der Wirksamkeit der Schutzeinrichtung, die hohen Kosten und schließlich die Vereinbarkeit mit der Schiffahrtsaktivität durch die drei Öffnungen zwischen Lagune und offenem Meer.

2,5 Milliarden Euro Kosten

Die Bedenken wurden im Laufe der Jahre mit technischen Lösungen Schritt für Schritt ausgeräumt. Jetzt ist die Regierung Berlusconi entschlossen, das Projekt trotz der hohen Kosten aktiv zu unterstützen. Die Stauvorrichtungen sollen schätzungsweise 2,5 Mrd Euro kosten. Das Projekt könnte innerhalb von acht Jahren verwirklicht werden.

"Nach 36 Jahren bewegt sich endlich wieder etwas in Venedig, einer Stadt, die sonst zum Tode verurteilt wäre. Mose ist nach dem Projekt für den Bau der Brücke über die Meeresenge von Messina, die Sizilien zum Festland verbinden soll, das wichtigste Werk für Italien. Mose ist der einzige Weg, um Venedig vor dem Untergang zu retten", sagte der Präsident der Region Veneto, Giancarlo Galan.

Die Umweltschützer beobachten das Projekt ihrerseits mit Sorge. Sie befürchten, dass das Dammsystem das prekäre ökologische Gleichgewicht in der bereits schwer verschmutzen Lagune kippen könnte. (APA)

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