Pechlaner: Schock über tödlichen Unfall im Jaguar-Käfig sitzt tief

6. März 2002, 13:54
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Tiergartendirektor ist schon fast wieder schmerzfrei

Wien - Der Direktor des Schönbrunenr Tiergartens, Helmut Pechlaner, hat nach dem tragischen Vorfall im Jaguarkäfig die Operation gut überstanden. Er sei fast schmerzfrei und werde im Krankenhaus bestens betreut, teilte er mit. Die Ärzte wollen ihn noch drei bis vier Tage im Spital behalten.

Er hat an der linken Hand schwere Gefäß- und Nervenverletzungen erlitten. Nach Auskunft des Vorstandes der Univ.-Klinik für Unfallchirurgie, Univ.-Prof. Dr. Vilmos Vecsei, vom Mittwoch wurden die Blessuren Dienstag Abend in einer etwa 3,5-stündigen Operation rekonstruiert.

"Ich fühle mich dafür verantwortlich"

Körperlich geht es ihm den Umständen entsprechend. Er ist praktisch schmerzfrei. Doch die psychische Belastung ist enorm: So ist der Eindruck von Dr. Helmut Pechlaner, Direktor des Tiergarten Schönbrunn, am Mittwoch bei einem kurzen Interview an seinem Krankenbett im Wiener AKH. "Ich fühle mich natürlich dafür verantwortlich", erklärte er. Er und seine Kollegen würden lange benötigen, um psychisch die schrecklichen Ereignisse von Dienstagnachmittag mit dem Tod einer jungen Wärterin zu verkraften.

Der Schock sitzt tief

Pechlaner erklärte, er sei fast schmerzfrei und werde im Krankenhaus bestens behandelt. Der Schock über den Unfall im Jaguar-Käfig sitzt jedoch tief.

Weitere Eingriffe notwendig

"Durch die Verschmutzung der Wunde besteht weiterhin Infektionsgefahr. Es werden weitere Eingriffe notwendig sein, bei denen eine Hautdeckung durchgeführt werden wird", teilte das Wiener AKH mit. Der Eingriff war von Vecsei und seinem Oberarzt Univ.-Prof. Dr. Manfred Strickner durchgeführt worden.

Das Problem bei solchen Verletzungen - es gilt im Grunde für alle Verletzungen, die durch Tiere hervorgerufen werden - ist die Infektionsgefahr. Zumeist wird die Wunde zunächst offen gelassen. Würde man sie sofort abdecken, könnten sich die vorhandenen Keime in einem für sie idealen Milieu nur noch noch besser vermehren.

Menschliches Versagen

Pechlaner nimmt an, dass zum Zeitpunkt des Fütterungsprozesses wahrscheinlich zwei Schuber (Schiebetüren) offen waren. "Menschliches Versagen" oder ein "Kurzschluss" dürften Ursache für das tragische Ereignis gewesen sein, dem eine junge Pflegerin zum Opfer gefallen sei. Er selbst, so teilte der Tiergartendirektor mit, habe versucht, die Raubkatzen zu vertreiben, dabei sei er durch einen Prankenhieb, den einer der Jaguare ihm durch einen Spalt erteilt habe, verletzt worden. (APA)

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