Robinson: "Ich akzeptiere nicht, dass die USA nicht einmal nach den Namen der Toten fragen"

6. März 2002, 14:20
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UNO-Menschenrechts- Kommissarin kritisiert anhaltende US-Luftangriffe scharf

Gardes/Hamburg - Nahezu eine Woche nach Beginn der alliierten Offensive im Osten Afghanistans haben die USA und ihre Verbündeten die Luftangriffe am Mittwoch unvermindert fortgesetzt. Kritik kam allerdings unter anderem von der UNO-Menschenrechtskommissarin Mary Robinson. Auch in der Bevölkerung der Region mehren sich Stimmen, die ein Ende der Luftangriffe fordern. Bewohner der Ortschaft Surmad erklärten am Mittwoch, in den Bergen bei Gardes sei auch die Zivilbevölkerung den Angriffen ausgesetzt.

In der Donnerstag-Ausgabe der Hamburger Wochenzeitung "Die Zeit" sagte Robinson: "Ich akzeptiere nicht, dass man in Dörfern "Kollateralschäden" verursacht und nicht einmal nach der Zahl und den Namen der Toten fragt". Sie sei "sehr besorgt über die Art der Intervention". Die ablehnende Haltung der USA zum internationalen Strafgerichtshof kommentierte sie nüchtern: "Sei's drum! Soll das Gericht erst mal seine Arbeit aufnehmen." Robinson ist seit Juni 1997 UNO-Menschenrechtskommissarin.

US-Militär: 400 El Kaida-Kämpfer getötet

Während der Offensive gegen Kämpfer des gestürzten Taliban-Regimes und des Terrornetzwerks El Kaida wurden nach letzten US-Angaben bisher etwa 400 Kämpfer getötet. US-Soldaten sei es im Kampfgebiet bei Shah-e-Kot gelungen, in mindestens eine Höhle einzudringen. Dort seien Waffen und ausländische Pässe gefunden worden. Am Mittwoch konzentrierten sich die Kämpfe den Angaben zufolge auf das Tal von Shahi Kot, etwa 50 Kilometer südlich von Gardes.

Bei der Offensive kamen bisher auch acht US-Soldaten ums Leben. Afghanische Geheimdienstmitarbeiter verteilten am Mittwoch Flugblätter in der Umgebung der Stadt Gardes, die für jeden gefangenen El-Kaida-Kämpfer eine Belohnung von 150 Millionen Afghanis (4.600 Euro) versprechen.

El Kaida-Anhänger sollen Anschläge in Kabul planen

Aus US-Kreisen verlautete unterdessen, El-Kaida-Anhänger planten eine Serie von Autobombenanschlägen in Kabul. Auf diese Art wolle das Terrornetzwerk der internationalen Schutztruppe und der Übergangsregierung von Hamid Karsai Schaden zufügen. (APA/AP/dpa)

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