Israels Arbeitspartei erwägt Rückzug aus Sharon-Koalition

5. März 2002, 23:04
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Mehrheit der Minister dafür

Tel Aviv - Die israelische Arbeitspartei erwägt nach den jüngsten Äußerungen von Ministerpräsident Ariel Sharon und mehreren Likud-Ministern den Auszug aus der Regierungskoalition. Dies berichtet die Tageszeitung "Haaretz" in ihrer Ausgabe vom Mittwoch. Nach Angaben des Blattes ist die Mehrheit der Partei für die Beendigung des Bündnisses, doch halte ihr Vorsitzender, Verteidigungsminister Benjamin Ben-Eliezer, den Schritt für verfrüht. Die Partei, die mit 23 Abgeordneten die stärkste Fraktion in der Knesset stellt, wolle am Donnerstag über die nächsten Schritte beraten.

Außenminister und Vize-Premier Shimon Peres hatte am Dienstag nach einer vierstündigen Kabinettssitzung in Tel Aviv offen Widerspruch gegen die kompromisslose Haltung Sharons gegenüber den Palästinensern geäußert und erklärt, er wäre der Koalition vor einem Jahr nicht beigetreten, wenn er gewusst hätte, welche Politik Sharon verfolge.

Sharon hatte am Montag erklärt, man müsse den Palästinensern zunächst "schmerzhafte Schläge zufügen", bevor man an den Verhandlungstisch zurückkehre. Likud-Justizminister Meir Shitrit ging noch weiter und forderte, man müsse die Palästinenser so hart bestrafen, dass sie "am Ende um einen Waffenstillstand flehen".

Nach Informationen von "Haaretz" will Peres jetzt die Partei für seinen mit dem palästinensischen Parlamentspräsidenten Ahmed Korei ausgearbeiteten Friedensplan gewinnen, der die Anerkennung eines Palästinenserstaats durch Israel bereits innerhalb weniger Wochen nach Beginn einer Waffenruhe vorsieht. Sharon hat dies strikt abgelehnt. (APA)

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