Israel erhöht militärischen Druck auf Palästinenser noch mehr

6. März 2002, 15:27
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Angriffe aus der Luft, am Boden und von See fordern mindestens neun Tote

Jerusalem/Gaza/Washington - Israel hat am Mittwoch den militärischen Druck auf die Palästinenser weiter erhöht, um so ein Ende der wochenlangen Serie von Anschlägen zu erzwingen. Bei Angriffen aus der Luft, am Boden und von See aus auf Ziele im Gaza-Streifen, sowie im Westjordanland kamen am Mittwoch sieben Palästinenser und zwei israelische Soldaten ums Leben. US-Präsident George W. Bush und der ägyptische Staatschef Hosni Mubarak äußerten sich in Washington besorgt über die alarmierende Lage.

Die jüngste Eskalation begann mit einem palästinensischen Raketenangriff auf die Stadt Sderot, bei dem am Dienstagabend zwei Kinder verletzt wurden. Es war das erste Mal, das eine israelische Stadt mit drei Kassem-2-Raketen angegriffen wurde. Nach Angaben des israelischen Rundfunks hat Verteidigungsminister Benjamin Ben-Eliezer der Armee den Befehl gegeben, gegen jene Orte vorzugehen, von denen Dienstag Abend die drei Raketen auf Sderot abgefeuert worden waren. Dabei war nach israelischen Angaben ein 16 Monate altes Baby verletzt worden.

Schwere Kämpfe

Wenig später rollten Panzer in den Gaza-Streifen. Zu schweren Kämpfen kam es im Süden des Gebiets, nahe der Dörfer Abassan und Karrara. Einwohner griffen die Panzer an, weshalb Kampfhubschrauber zu ihrer Unterstützung eingriffen. Auch das Hauptquartier des palästinensischen Präsidenten Yasser Arafat in Gaza wurde erneut unter Beschuss genommen. Bei einem Raketenangriff israelischer Kampfbomber vom Typ F-16 auf Gebäude der palästinensischen Sicherheitsbehörden wurden nach Angaben von Ärzten mindestens fünf Zivilisten verletzt. Um die Mittagszeit des Dienstag wurde der Sitz des Polizeichefs von Gaza zerstört. Schwere Schäden wurden in einer Blindenschule der Vereinten Nationen verursacht. Bei Razzien wurden 27 Palästinenser festgenommen und drei Wohnhäuser zerstört. Bei einer Explosion in der Stadt Gaza wurde ein Aktivist der Hamas-Bewegung getötet, wobei die Hamas von einem israelischen Raketenangriff sprach.

Zusammenstöße im Westjordanland

Auch im Westjordanland kam es zu zahlreichen Zusammenstößen. Israelische Soldaten schossen auf Dorfbewohner, die mit Steinen geworfen hatten. Dabei wurden zwei Schüler im Alter von 12 und 16 Jahren verletzt. Auf den meisten Straßen im Westjordanland wurde der Verkehr für Palästinenser gestoppt. Das israelische Sicherheitskabinett hatte Dienstag Abend sich hinter die harte Haltung von Ministerpräsident Sharon gegen die Palästinenser gestellt. Sharon verschob eine in der nächsten Woche geplante Reise nach Großbritannien und Spanien.

USA und Ägypten wollen Friedensbemühen verstärken

US-Präsident Bush sagte nach einem Treffen mit dem ägyptischen Präsidenten Mubarak in Washington, Frieden sei in der Region nur bei maximalen Anstrengungen zur Beendigung der Gewalt möglich. Den Anfang müssten die Palästinenser machen und Angriffe auf Israelis stoppen. Dagegen rief Mubarak die israelische Seite auf, den militärischen Druck auf die Palästinenser zu verringern. Zudem sagte Mubarak an die Adresse der Israelis und Amerikaner gerichtet, Arafat müsse als Führer des palästinensischen Volkes und Verhandlungspartner anerkannt werden. Bush würdigte die saudiarabische Initiative zur Beilegung des Konflikts - diese sieht den Abzug Israels aus allen besetzten Gebieten und die Anerkennung Israels durch die arabischen Staaten vor.

Eine neue Vermittlungsmission des US-Diplomaten Anthony Zinni ist derzeit nicht geplant, wie ein Sprecher des Außenministeriums in Washington mitteilte. Der ehemalige US-Senator George Mitchell, Autor der nach ihm benannten Nahost-Friedensinitiative, sagte Dienstag in Michigan, es werde der Zeitpunkt kommen, dass die beiden Konfliktparteien der Gewalt müde würden.

Irak als einziges arabisches Land gegen Abdullah-Plan?

Knapp drei Wochen vor dem Arabergipfel in Beirut zeichnet sich ab, dass der Irak den saudiarabischen Vorschlag für eine Einigung mit Israel wahrscheinlich als einziges arabisches Land ablehnen wird. "Das Wort der Palästinenser wird allein entscheidend und heilig sein, in ihrem Beharren, das Land (mit Waffen) aus den Krallen der Zionisten zu entreißen", schrieb die irakische Tageszeitung "Al-Thawra" am Mittwoch. In den vergangenen Wochen hatte sich jedoch bereits abgezeichnet, dass die meisten arabischen Staaten hinter der saudiarabischen Initiative stehen, wenn auch zum Teil mit Einschränkungen. Der irakische Präsident Saddam Hussein hatte die arabischen Könige und Regierungschefs dagegen vor einigen Tagen aufgefordert, die Palästinenser mit Geld und Waffen zu unterstützen. (APA/AP/dpa)

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