Neuer Streit um Humangenom

6. März 2002, 19:27
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Harter Vorwurf gegen Craig Venter: Datendiebstahl

Washington - Der alte Streit darüber, wem die Entschlüsselung des Humangenoms zu danken ist, ist in voller Schärfe neu entbrannt: Einer der Konkurrenten, das internationale öffentliche Konsortium Human Genome Project (HGP), wirft dem anderen, der Privatfirma Celera, vor, er habe überhaupt nichts entschlüsselt, sondern nur die Daten von HGP bearbeitet.

Dabei geht es nicht nur um Ruhm und Geld, es geht auch um eine zentrale Frage der Methode: Seit Beginn der 90er-Jahre hat HGP das Humangenom stückweise kleingearbeitet. Zur selben Zeit etablierte Craig Venter, Gründer von Celera, an kleineren Genomen ein Schnellverfahren ("whole-genome-shotgun"), bei dem ganze Genome auf einen Streich in winzige Einheiten zerlegt, entschlüsselt und dann wieder zusammengefügt werden müssen.

Erst 1998 wandte sich Venter dem Humangenom zu und entschlüsselte so rasend, dass er HGP überholte. Die Konkurrenz eskalierte zu Hass, der nur von ganz oben befriedet werden konnte: Am 26. Juni 2000 präsentierte man im Beisein von US-Präsident Bill Clinton gemeinsam den Erfolg.

Seitdem herrschte scheinbare Ruhe. HGP-Mitarbeiter wie Eric Lander (Massachussetts Institute of Technology) haben sie nun gestört: Sie haben Venters Methode nachgespielt und kamen nur dann zu guten Ergebnissen, wenn sie beim Schlüsseltrick - dem Zusammensetzen - auf HGP-Daten zurückgriffen. Die standen frei zugänglich im Internet. Venter hat stets bestritten, sie benutzt zu haben, und sieht sich jetzt "auf tiefstem Niveau" attackiert. (Proceedings of the National Academy of Sciences, jl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6.3.2002)

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