Wer unter 30 ist, wählt anders

5. März 2002, 19:30
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Bei der Nationalratswahl war die FPÖ in dieser Gruppe am stärksten

Wien - Treue? Das war einmal. Auch und gerade im politischen Sinn: Wer heute unter 30 ist, hat zumeist auch im Elternhaus keine starre Parteibindung mehr erlebt. Denn die politischen Lager sind damals erodiert, Bruno Kreiskys Erfolg 1970 (Slogan: "Ein Stück des Weges mit uns gehen") und 1971 ("Lasst Kreisky und sein Team arbeiten") war wesentlich auf die Wechselbereitschaft vor allem im bürgerlichen Lager aufgebaut - und diese Wechselbereitschaft steigerte sich mit dem Erstarken der FPÖ unter Jörg Haider noch deutlich.

Der Wahlforscher Peter A. Ulram: "Das Wahlverhalten der Jungwähler - über die Erstwähler lässt sich aufgrund ihrer geringen Zahl nichts Näheres sagen - ist deutlich verschieden von dem der restlichen Bevölkerung: Das hat sich schon bei der Nationalratswahl 1995 gezeigt, als die SPÖ und die ÖVP dazugewonnen haben - nicht aber bei den Wählern unter 30. Schon damals hatten die Großparteien bei den Jungwählern keine Mehrheit mehr."

Für die Nationalratswahl 1999 hat Ulram festgestellt, dass die FPÖ bei Jungwählern die bei weitem stärkste Partei war: 35 Prozent haben sie gewählt, 25 Prozent die SPÖ, 17 Prozent die ÖVP, 13 Prozent die Grünen und vier Prozent das LiF. Seit der Regierungsbeteiligung der FPÖ hat es zwei Abwanderungsbewegungen gegeben: In der ersten sind bürgerliche Wähler zur ÖVP zurückgewandert (darunter aber wenige Jungwähler). Die zweite, die durch die Sozialdiskussionen ausgelöst wurde, hätte sehr wohl auch junge Ex-FP-Wähler erfasst.

Wie Jungwähler jetzt wählen würden, ist nicht klar zu sagen - in den von market in den letzten fünf Wochen erhobenen Rohdaten ist jedenfalls bei Befragten unter 30 kein höheres Bekenntnis zur FPÖ zu messen als im Rest der Bevölkerung. Signifikant höher ist nur die Tendenz zu den Grünen: Jeder fünfte Befragte unter 30 bekennt sich als Grün-Wähler.

(DER STANDARD, Printausgabe, 6.3.2002)
von Conrad Seidl
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