Parteien schauen alt aus

5. März 2002, 19:31
5 Postings

Wer die Jugend einbezieht oder jugendlich wirkt, hat bei Jungwählern die Nase vorn

Jörg Leichtfried, Chef der Jungen Generation in der SPÖ, hat präzise Meinungen zu Partei- inhalten - nur wird er selten danach gefragt. So ist der 34-jährige stellvertretende Partei- chef der SP-Steiermark ein Gegner der rot-blauen Zusammenarbeit in Kärnten. Besser wäre, würden Rot und Schwarz ihre Mandatsmehrheit benutzen, um "ohne Landeshauptmann Politik zu machen", sagt er zum STANDARD. Nicht einmal die stabilen Umfragedaten der Bundespartei (rund 35 Prozent) stimmen ihn froh: "Angesichts des Regierungschaos schauen unsere Werte nicht gut aus."

Mehr Geld für Junge

Der sozialdemokratische Parlamentsklub verharre in politischer Passivität. Und trotz der relativ jungen Führungsspitze seien "die Parteistrukturen überaltert". Es herrsche ein "eklatantes Loch" bei den 25- bis 45-Jährigen, aber keiner überlege, wie dieses Manko zu beseitigen wäre. Inhaltlich hat Leichtfried soeben eine Kampagne gestartet mit dem Titel "Mehr Kohle für Junge". Er fordert höhere Einstiegsgehälter - die Verdienstkurve könnte dafür später flacher ausfallen. Abfertigung sollten Arbeitnehmer auch bei Selbstkündigung erhalten. Leichtfried hofft, dass seine Vorschläge Eingang in die SP-Bundespolitik finden. Den Pensionistenverband hat er schon auf seiner Seite - sozusagen die zweite "Randgruppe" in der Partei.

Gegen Paragraph 209

Aber die wachsende Wählergruppe der Pensionisten hat nach Meinung von Silvia Fuhrmann (20), Vorsitzende der Jungen ÖVP, ohnehin einen überdurchschnittlich großen Einfluss auf politische Entscheidungen. Weder Leichtfried noch Fuhrmann besitzen ein Abgeordnetenmandat. Sie selbst dürfe vor allem bei Bildungsfragen mitreden, anderes bleibe tabu - etwa der umstrittene "Homo"-Paragraph 209, den sie gern abgeschafft sehen würde.

Die Parteijugend habe eine grundsätzliche Reform des Sexualstrafrechts vorgeschlagen. Doch an diesem Thema rührt man in der Partei nur ungern. Und für eine junge Frau sei es noch schwerer durchzudringen. "Die ÖVP ist ein bissel ein Männerbund und die Zahl der weiblichen Abgeordneten zu gering", sagt die Studentin. Ein weiteres "klassisches" Jugendthema wäre für Fuhrmann der Gene- rationenvertrag. Doch darüber lasse man lieber die Alten reden. Dabei hätte die ÖVP bei Jungwählern Nachholbedarf.

Blaues Wunder

Solche Probleme kennt Rüdiger Schender, Chef des Rings Freiheitlicher Jugendlicher (RFJ) und mit 27 Jahren jüngster Parlamentsabgeordneter, nicht. Er ist auch FP-Bildungssprecher und schwärmt von den Möglichkeiten, mit der Parteispitze "direkt zu kommunizieren". "Es war immer schon so, dass die Partei ein sehr starkes Interesse an Jugendarbeit hatte." Viele der heutigen Spitzenfunktionäre kommen aus dem RFJ - etwa Jörg Haider, Hubert Gorbach oder Herbert Scheibner. Bei aller persönlichen Aversion gegenüber der FPÖ - genau das vermisst Leichtfried in der SPÖ. Nur die Wiener Partei nutze das Reservoir an Nachwuchs in den Jugendorganisationen. Im Gegensatz zu den Blauen habe die SPÖ - folgerichtig - ein Problem bei Jungwählern. Schender wiederum nennt als Beispiel für erfolgreiche Mitarbeit der FP-Jugend das oberösterreichische Jugendschutzgesetz.

Allerdings hatte es die FPÖ auch leichter, den Nachwuchs einzubinden: Bis zur letzten Nationalratswahl wurde sie stets stärker, hatte daher - im Gegensatz zu Schwarz und Rot - neue Posten zu verteilen.

Forever young

Forever young - nach diesem Motto leben die Grünen. Eine eigene Jugendorganisation gibt es nicht mehr, und sie hatte auch keinen großen Stellenwert, wie Kommunikationschef Lothar Lockl meint. "Bei uns muss man nicht jahrzehntelang den Parteiapparat durchlaufen, um mitzutun." Die Grünen rekrutieren seit jeher Neuzugänge aus Initiativen und Organisationen wie Global 2000, woher auch Lockl stammt. Doch der "Gang durch die Institutionen" wurde längst angetreten. Mittlerweile gibt es "grüne Eisenbahner", Wirtschafts- sowie Arbeiterkammer wurden beschickt. Seit kurzem ist die Partei sozusagen "grüngrau" - mit einer eigenen Seniorenorganisation. Auch die Grünen werden langsam alt.

(DER STANDARD, Printausgabe, 6.3.2002)
Sie gelten als politische Leichtgewichte und werden meist weitaus weniger ernst als die Alten genommen: die Jugendvertreter der Parteien. Der Frust der Jungen ist entsprechend groß (SPÖ), mittel (ÖVP) oder gar nicht vorhanden (FPÖ). Die Grünen haben erstaunlicherweise eine Senioren-, aber keine eigene Jugendorganisation.

von Martina Salomon

HINTERGRUND
Wer unter 30 ist, wählt anders
Bei der Nationalratswahl war die FPÖ in dieser Gruppe am stärksten
Share if you care.