Von "gar nichts" zum Crash-Programm

7. März 2002, 22:08
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Saddam wollte die Bombe im April 1991

Bagdad - "Wir haben gar nichts", erklärten die Iraker 1991 den Experten der IAEO (Atomenergiebehörde), die gemäß UNO-Resolution 687 - neben anderen UNO-Inspektoren - die Abrüstung des Irak in Angriff nahmen. Diese Behauptung war nicht haltbar, wusste man doch vage von den irakischen Einkäufen von nuklearrelevantem Material. Nach nur acht Tagen gab der Irak diese Einkäufe "zu friedlichem Zwecke" zu. Noch im selben Jahr begannen jedoch die Entdeckungen der Inspektoren: Am Ende sollte man wissen, dass der Irak ab 1982 - ein Jahr nach der Zerstörung des Reaktors Osirak bei einem israelischen Angriff - ein Zehn-Milliarden-Dollar-Programm verfolgte, in das in al-Tuwaitha südlich von Bagdad Tausende Atomphysiker involviert waren (die vorher im Westen studiert hatten, verteilt auf viele Universitäten, damit sie nicht so auffielen, nur in Frankreich und Italien waren einmal 400 Atomphysik-Studenten gleichzeitig).

Der Irak konzentrierte sich auf die EMIS-Technik (Electromagnetic Isotope Separation), was zur Waffenherstellung obsolet galt und deshalb weniger Aufmerksamkeit erregte, 1990 verfügten sie über Material und Pläne für 20.000 Zentrifugen. Nach dem Einmarsch in Kuwait im August 1990 wurde es eilig: Alles von der IAEO registrierte und zweimal pro Jahr kontrollierte HEU (Highly Enriched Uranium) wurde für ein Crash-Programm veruntreut. Im April 1991 sollte nach Wunsch Saddams das Material für eine Atombombe fertig sein.

(DER STANDARD, Printausgabe, 6.3.2002)
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