Schweinemast-Ermittlungen: Hinweise von Journalisten

5. März 2002, 18:02
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Verbindungen zwischen bayerischem Landeskriminalamt und deutsch-österreichischer Tierschutzorganisation "Vier Pfoten"

Regensburg - Bei den Ermittlungen im so genannten Schweinemast-Skandal hat es offenbar enge Verbindungen zwischen dem bayerischen Landeskriminalamt (LKA) und einer deutsch-österreichischen Tierschutzorganisation gegeben. Im Prozess gegen den Straubinger Tierarzt Roland Fechter vor dem Regensburger Landgericht sagte am Dienstag ein leitender Kriminalbeamter der LKA-Sonderkommission aus, dass ein Journalist aus dem Umfeld des Vereins "Vier Pfoten" den Ermittlern regelmäßig Informationen geliefert habe.

"Er hat uns zugearbeitet, das kann man so sagen", erklärte der LKA-Polizist. Die Verteidigerin Fechters präsentierte ein Schreiben des Journalisten, in dem dieser den Ermittlern viel Spaß beim Lesen der beigefügten Unterlagen wünschte. Auf dem Brief soll der Journalist sogar ein Herzchen gemalt haben.

Der LKA-Beamte wurde am zweiten Verhandlungstag ausgiebig zu der Buchhaltung der Fechter-Klinik befragt. Der 46-Jährige sagte aus, dass sich der Veterinär unter anderem zehn Tonnen des Antibiotikums Tetracyclin bestellt habe. Fechter habe das Medikament mit einem Gewinn von 20 Prozent weiterverkaufen wollen.

Zu der Lieferung kam es nach Angaben der Staatsanwaltschaft allerdings nicht mehr, da kurze Zeit später die intensiven Ermittlungen gegen den Tierarzt mit einer Durchsuchung der Praxisräume begannen. Fechter wird vorgeworfen, im großen Stil ohne Genehmigung mit Arzneien gehandelt zu haben. Der 37-Jährige saß deswegen ein Jahr in Untersuchungshaft. Bei dem Prozess sollen in den nächsten Wochen mehr als 50 weitere Zeugen gehört werden. (APA)

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