Enschede-Angeklagter outet sich

5. März 2002, 17:41
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Illegaler Handel mit Feuerwerk zugegeben

Den Haag - Im Prozess um die 22 Toten bei der Explosion in einer Feuerwerksfabrik der niederländischen Stadt Enschede hat einer der Angeklagten den illegalen Handel mit Knallkörpern gestanden. Es habe sich um Feuerwerk für ungeübte Verbraucher wie auch um Material für professionelle Zwecke gehandelt, sagte Direktor Ruud Bakker von der Firma S.E. Fireworks am Dienstag vor Gericht in Almelo. Er und sein Kollege Wim Pater müssen sich wegen fahrlässiger Tötung und Verstößen gegen die Umweltbestimmungen verantworten. Die Katastrophe am 13. Mai 2000 hatte ein ganzes Wohnviertel verwüstet.

"Natürlich war das verboten, und ich weiß das", räumte Bakker ein. Die Abnehmer seien aber Leute gewesen, die wussten, wie sie mit Feuerwerkskörpern umgehen mussten. "Der eine kriegt eine Flasche Wein zu Weihnachten, der andere einen Karton mit Feuerwerk", meinte er. Auf Nachfragen des Staatsanwalts verweigerte Bakker weitere Aussagen dazu.

Zuvor bestritten

Er hatte zuvor bestritten, dass auf dem Fabrikgelände in Enschede tatsächlich 170 Tonnen Feuerwerkskörper lagerten, als die Katastrophe geschah. Die Angaben der Staatsanwaltschaft seien zu hoch gegriffen, machte sein Verteidiger Peter Plasman geltend.

Am zweiten Tag des Hauptverfahrens unterstrich Bakker, er habe sich um Einzelheiten der kommunalen Betriebserlaubnis für die Fabrik nicht gekümmert. Er habe sich auf den früheren Eigentümer des Unternehmens verlassen, bei dem er jahrelang angestellt war, ehe er sich mit seinem Partner Wim Pater selbstständig machte.

Wegen eines Todesfalls in dessen Familie verschiebt sich der Sitzungsplan im Enschede-Prozess. So sollen Anklage und Verteidigung erst in der nächsten Woche ihre Anträge stellen. Ursprünglich war das Plädoyer der Staatsanwaltschaft für diesen Freitag geplant. (APA)

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