Der Traum ein Kind

13. März 2002, 16:47
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Unsentimental konstatierte Operndiva Agnes Baltsa kürzlich in einem Interview: "Hätte ich ein Kind gewollt, hätte ich eines bekommen. Aber ich war zu 150 Prozent auf meine Karriere konzentriert. Vielleicht ist es gerecht, dass man nicht alles haben kann." - Die gefragteste Mezzosopranistin unserer Zeit spricht damit ein Thema an, das in unserer vom Machbarkeitsglauben geprägten Gesellschaft fast schon zum Tabu geworden ist: Verzicht.

Kind und Berufstätigkeit erfordert einen verlässlichen Fulltime-Sekundanten. Kind und Karriere hingegen einen selbstbewussten Partner und jede Menge Geld für den Zukauf von Dienstleistungen - von der Köchin über Kindermädchen bis Putzfrauenbrigade, die den repräsentativen Haushalt auf Hochglanz hält, während Frau Mama von einem Businesstermin zum anderen fliegt.

Das ist die in den Familienfotos glücklicher Powerfrauen, die anscheinend mühelos Doppelherausforderungen meistern, nicht abgebildete Realität.

Von Johanna Zugmann
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