Deutsche Arbeitslosigkeit geringer als erwartet

6. März 2002, 12:50
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Erwerbstätigkeit in Deutschland nimmt weiter ab

Nürnberg - Von einem künftigen Wirtschaftswachstum ist auf dem deutschen Arbeitsmarkt noch nichts zu spüren. Während die Arbeitslosigkeit im milden Februar verhalten anstieg, nahm die Zahl der Erwerbstätigen weiter ab. Wie die Bundesanstalt für Arbeit am Mittwoch in Nürnberg berichtete, sank die Erwerbstätigenzahl im Dezember um 182.000 und lag damit bei 38,89 Millionen - etwa 97.000 weniger als im Vorjahr. Die Arbeitslosenzahl im Februar lag bei 4,296 Millionen, 6.200 mehr als im Vormonat und 183.500 mehr als vor einem Jahr.

BA-Vizepräsident Heinrich Alt sagte, die Entwicklung bei den Erwerbstätigen sei weiterhin schlechter als im Durchschnitt der Vorjahre. Mehr als verdoppelt habe sich die Zahl der Kurzarbeiter. Im Februar wurden 246.600 Kurzarbeiter gezählt, 124.900 mehr als im Vorjahr und 34.700 mehr als im Jänner. Die Anstiege konzentrierten sich wegen der schwachen Konjunktur auf die exportabhängigen alten Länder. Dort kletterte die Zahl der Kurzarbeiter um 28.300 auf 207.200.

Erwarteter Frühjahrsimpuls

Nach Ansicht von Alt wird sich der erwartete Frühjahrsimpuls in der Wirtschaft erst im Jahresverlauf auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar machen. Außer dem milden Wetter hätten auch die Maßnahmen des Job-Aqtiv-Gesetzes sowie die zusätzlich eingestellten Vermittler einen höheren Anstieg der Arbeitslosigkeit verhindert.

Die bundesweite Arbeitslosenquote betrug wie im Jänner 10,4 Prozent. Im Osten liegt sie mit 19,2 Prozent nach wie vor doppelt so hoch wie im Westen (8,3 Prozent). In den alten Bundesländern registrierten die Arbeitsämter im Februar 2,789 Millionen Menschen ohne Stelle - 166.300 mehr als vor einem Jahr und 2.200 weniger mehr als im Jänner. In Ostdeutschland gab es 1,507 Millionen Arbeitslose - 8.400 mehr als im Vormonat und 17.200 mehr als im Februar 2001. Die Meldungen freier Stellen lagen laut BA mit 282.200 etwa 58.800 unter Vorjahresstand. Ende Februar seien 486.500 Jobs unbesetzt gewesen, gegenüber 2001 ein Minus von 57.600.

Sorgen im Osten

Weil der Osten nach wie vor Sorgenkind auf dem Arbeitsmarkt ist, seien die laut Alt im Westen unbedeutend gewordenen ABM in den neuen Ländern nach wie vor Mittel im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit. Insgesamt kämen 42 Prozent der Teilnehmer an Arbeitsmarkt-Maßnahmen aus dem Osten. Das Mainzer Kombilohn-Modell sehe die BA als wichtigen Schritt zur Förderung des Niedriglohnsektors. "Das kann aber nur funktionieren, wenn die Konjunktur anspringt", sagte Alt.

Bei der anstehenden Reform der Nürnberger Behörde können Aufgaben wie Familienkasse und Kindergeldzahlungen, der Kampf gegen illegale Beschäftigung sowie Sonderprogramme von Bund und Ländern nach Ansicht von Alt ausgelagert werden. Es sei durchaus möglich, das Reformprogramm wie von der Bundesregierung geplant bis 2004 abzuschließen.

(APA/AP)

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