Welche Bedeutung messen Sie dem Internationalen Frauentag bei?

7. März 2002, 19:25
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Christine Bauer-Jelinek (Wirtschaftscoach und Psychotherapeutin): Solange es einen Muttertag gibt, muss es auch einen Frauentag geben. Auch wenn es komisch ist, aber diese Tage tragen etwas zur Bewusstseinsbildung bei (wie man auch an diesem Fragebogen sieht), sie sind ein Anlass für Veranstaltungen und Veröffentlichungen; für Bilanzen und Botschaften.

Alexander van der Bellen (Parteichef der Grünen): Ich fürchte, dass die Bedeutung nicht allzu groß ist, weil trotz Internationalen Frauentages frauenpolitische Angelegenheiten oft nicht ausreichend berücksichtigt werden.

Frauensolidarität Wien: Ziemlich große, Aufmerksammachen auf Frauenspezifische Themen, am 8. März zeigt sich einmal in aller Deutlichkeit die Kraft der Frauen, die sonst oft unsichtbar wirken. Kampfgeist wird immer wieder auf´s neue geweckt, Solidaritätsgesten.

FRIDA: Der Internationale Frauentag wird von Frauenorganisationen und Frauen in aller Welt begangen - zum 91 Mal übrigens. Die zahlreichen Aktivitäten am 8. März erinnern daran, dass Frauen dieser Welt noch immer politisch, ökonomisch, kulturell, reliogiös und sozial diskriminiert werden, sie zeigen aber auch, dass sich Frauen weltweit organisieren und um ihre (Menschen-)Rechte kämpfen.

Herbert Haupt (Sozialminister und zuständig für Frauenangelegenheiten): Obwohl es bereits ein "Überangebot" an internationalen Tagen gibt, hat der internationale Frauentag für mich einen hohen Stellenwert. Nach wie vor haben Frauen mit strukturellen Ungleichbehandlungen zu kämpfen und ein regelmäßiges Wiederkehren dieses Tages soll für alle politisch Verantwortlichen, aber auch für die Menschen insgesamt ein Anlass sein, sich mit dieser Problematik auseinanderzusetzen.

Sylvia Hojnik (nowa): Der Internationale Frauentag hatte während meines Studiums (sehr frauenbewegte Zeit) eine sehr große Bedeutung (Teilnahme an Aktionen etc.). Heute ist es so, dass ich ihn noch immer sehr sehr wichtig halte, persönlich an diesem Tag aber meistens "ganz normal" arbeite.

Andrea Kuntzl (Bundesgeschäftsführerin der SPÖ): Für die Sache der Frauen hat der 8. März zweifelsohne eine große Bedeutung - und das nicht nur aus historischen Gründen. Ein internationaler Tag, der speziell für die Belange der Frauen reserviert ist, zwingt Entscheidungsträger zur Positionierung. Und das ist durchaus zu begrüßen. Denn wenn Herbert Haupt als zuständiger Minister die Selbstverwirklichung der Frauen ankreidet, hat das im Vorfeld des Frauentages ein weit größeres Echo, als seine bisherige konservative Politik gegen Frauen.

Milena Verlag: Feministisches Stimmungsbild, Möglichkeit der Protestäußerungen (Demo!) und zwar international! Weiters das Anknüpfen an die Tradition und Geschichte dieses Tages. Die Möglichkeit, einmal im Jahr gemeinsam mit anderen Frauen laut und deutlich und öffentlich Raum zu nehmen, Energien tanken durch gemeinsame Aktionen, gemeinsames Demonstrieren, Diskutieren, Kundgeben und gemeinsames und lustvolles Feiern.

Madeleine Petrovic (stellvertretende Klubobfrau der Grünen): Sehr große! Dieser Tag ist unglaublich wichtig, weil er inzwischen weltweit bekannt ist und daher gute Gelegenheit bietet, auf die vielen noch nicht umgesetzten frauenpolitischen Anliegen von Frauen auf der ganzen Welt aufmerksam zu machen.

Barbara Prammer (Bundesfrauenvorsitzende der SPÖ): Der Internationale Frauentag ist nach wie vor wichtig, weil so zumindest einmal im Jahr die Situation von Frauen breit öffentlich thematisiert wird. Auch wenn es bedauerlich ist, dass an den restlichen Tagen des Jahres diese Aufmerksamkeit oft auf den Nullpunkt sinkt.

Heide Schmidt (Leiterin des Instituts für eine offene Gesellschaft in Wien): Die Internationalität des Tages zeigt die Dimension der Problemlage. Der Tag verpflichtet zumindest die Öffentlichkeit, sich mit frauenspezifischen Diskriminierungen und Missständen auseinander zu setzen.

Emmy Werner (Direktorin des Volkstheaters Wien): Naja, so lange es noch eigener Tage einmal im Jahr bedarf, sagt das ja alles, oder?

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