Fünf Jahre Neuer Markt

5. März 2002, 14:41
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Von Traumrenditen zu Megaverlusten - Die deutsche Wachstumsbörse sorgte für Millionäre und Verlierer

Frankfurt - Deutschlands Wachstumsbörse, der Neue Markt, wird fünf Jahre alt. Seit dem Handelsstart am 10. März 1997 hat diese Börse die deutschen Anleger bewegt, wie kaum eine andere. Bis ins Jahr 2000 hinein lockten schier unglaubliche Renditen immer mehr Anleger an und die Zahl der Neuemissionen explodierte. Auf den beispiellosen Höhenflug folgte der dramatische Absturz: Erklomm der Nemax-All-Share im März 2000 noch einen Höchststand von 8.583,34 Punkten, sackte das Börsenbarometer danach auf zeitweise unter 1.000 Zähler ab.

Morgen, Mittwoch, will die Deutsche Börse den Geburtstag des Neuen Marktes mit einer Kundenveranstaltung würdigen. Gegenwärtig sind hier noch 319 Unternehmen gelistet. Wie die Deutsche Börse berichtet, gab es im vergangenen Jahr 30 so genannte Delistings - Streichungen vom Kurszettel -, im Jahr 2000 verließen zwei Unternehmen den Neuen Markt.

Tiefer Fall

Die Anleger mussten nach der Hochphase im Jahr 2000 lernen, dass man an der Börse besonders tief fallen kann, wenn der Aufstieg zuvor extrem überzogen war. Plötzlich entpuppten sich Gewinnprognosen einzelner Unternehmen als übertrieben, ehemalige Börsenstars wie das Münchner Medienunternehmen EM.TV erlebten einen spektakulären Niedergang. Und manch ein Anleger, der bei einer Neuemission in der Boomphase zugeschlagen und auf rasante Gewinne gehofft hatte, musste sich plötzlich mit dem Begriff "Pennystocks" beschäftigen - Aktien, die nur noch ein paar Pfennige oder Cent wert sind.

Wie es dazu kam, hat die Unternehmensberatung Accenture schon 2001 in einer Untersuchung herausgefunden. "Unrealistische Ziele, Wachstum um jeden Preis und Managementfehler sind die wesentlichen Ursachen für den Niedergang vieler deutscher Firmen der New Economy", so Accenture damals. Nur 49 von damals 336 Unternehmen am Neuen Markt hätten über drei Jahre hinweg eine angemessene Rendite von mindestens zehn Prozent für die Anleger erwirtschaftet, so die Studie.(APA/AP)

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