Polit-Gerangel um ZDF-Intendanten geht weiter

5. März 2002, 13:57
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Dritter Anlauf am kommenden Samstag - Einige Fernsehräte suchen Ausweg aus Proporz

Die Suche nach einem neuen Intendanten für das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) geht weiter. Am kommenden Samstag (9. März) versammeln sich zum dritten Mal die 77 ZDF-Fernsehräte und versuchen, einen Nachfolger für Dieter Stolte zu finden. Sie haben nicht mehr viel Zeit: Stolte hat fünf Tage später seinen letzten Arbeitstag im ZDF - nach zwanzig Jahren als Intendant. Bis dahin muss die Nachfolge geregelt sein. Doch ob sich die beiden "roten" und "schwarzen" so genannten Freundeskreise auf einen Kandidaten einigen können, ist nach den ersten beiden gescheiterten Versuchen am 6. Dezember 2001 und am 18. Jänner fraglich.

Notwendigkeit von 47 Stimmen

Für die Wahl des neuen ZDF-Chefs sind eine Drei-Fünftel-Mehrheit und damit 47 Stimmen notwendig. 42 Stimmen vereint der unionsnahe "schwarze" Freundeskreis auf sich - für die Wahl muss daher ein Konsens gefunden werden. Einige Fernsehräte wollen nun den Parteienproporz im Aufsichtsgremium durchbrechen, schrieb die "Süddeutsche Zeitung" am Dienstag. Die nicht fest mit den beiden Freundeskreisen liierten Mitglieder wollen sich erstmals selbst am Freitag in Mainz versammeln.

Neue Kandidatenspekulationen

Zuletzt wurden gleich vier neue Namen aufs Kandidatenkarussell gehoben: der Rektor der Freiburger Universität, Wolfgang Jäger, der Chefredakteur des "Tagesspiegel", Giovanni di Lorenzo, sowie die beiden Medienmanager Knut Föckler und Ralf Kogeler. Laut "Frankfurter Rundschau" feilten die ZDF-Juristen sogar schon an Jägers Vertrag. Doch bisher erwiesen sich solche Spekulationen immer wieder als Luftnummern. Eine ganze Riege angeblicher Kandidatennamen ist schon abgehakt. Auch Di Lorenzo soll abgesagt haben.

Über das Gezerre um seine Nachfolge schüttelt inzwischen selbst Noch-Intendant Stolte den Kopf: "Ich kann gut verstehen, dass die politischen Parteien großes Interesse an der Frage haben, wie dieses Amt besetzt wird. Aber ich kann das Ausmaß des Prozesses, der dazu geführt hat, dass es bisher noch zu keiner Einigung gekommen ist, nicht nachvollziehen", sagt er diplomatisch.

Herausragende Machtposition

Der Intendantenposten in einer der größten Sendeanstalten Europas ist zweifellos eine herausragende Machtposition. Stolte zufolge wird der parteipolitische Einfluss im Jahr der Bundestagswahl jedoch von den Freundeskreisen überschätzt. "Dass das Fernsehen die Wahlen entscheidet, haben Parteien seit Jahrzehnten teils gehofft und teils befürchtet, zum Teil ist es widerlegt worden. Ich halte das für sehr übertrieben." (APA/dpa)

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