Audi: Mehr Modelle und progressiver Auftritt

5. März 2002, 12:57
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Neuer Chef setzt Zeichen

Genf - Unter dem neuen Vorstandsvorsitzenden Martin Winterkorn will Audi die Modellpalette erweitern und progressiver werden. "Unser Ziel muss es sein, den Absatz mittelfristig deutlich auszubauen", sagte Winterkorn beim Automobilsalon in Genf. Angesichts der ungewissen Lage an den Automärkten setzt der neue Chef dabei vor allem auf eine "Abrundung der Modellpalette". Bisher habe Audi zu wenig Nischenmodelle angeboten. Damit deutete er bei seinem ersten öffentlichen Auftritt im neuen Amt schon einmal an, wohin die Reise gehen soll. Eine Prognose für 2002 wollte Winterkorn nicht abgeben. Winterkorn ist künftig auch für die sportliche Markenfamilie im VW-Konzern aus Audi, Seat und Lamborghini verantwortlich.

"Eng und hart"

Der Automarkt sei "eng und hart" geworden, sagte Winterkorn. Jenseits des Verdrängungswettbewerbs gebe es aber noch viele Felder, die Audi derzeit anderen überlasse oder die noch gar nicht entdeckt seien. Am 1. März hatte Winterkorn das Amt von Franz-Josef Paefgen übernommen.

Zum Abschied legte dieser die Messlatte für den Nachfolger hoch und präsentierte das sechste Rekordjahr in Folge. Der Absatz stieg 2001 um elf Prozent auf mehr als 726.000 verkaufte Autos. Der Gewinn vor Steuern wuchs sogar um mehr als ein Drittel auf 1,3 Mrd. Euro. Dennoch musste Paefgen auf Wolfsburger Druck an die Spitze der VW-Tochter Bentley wechseln.

Stabiler Absatz

Der bisherige VW-Entwicklungsvorstand Winterkorn deutete an, dass er wie Paefgen 2002 mit einem eher stabilen Absatz rechne. Im Vorjahr hatte VW-Chef Ferdinand Piech Audi Stillstand vorgeworfen. Die Tochter sei zu konservativ. Auch wenn die Kritik in Ingolstadt angesichts des Rekordkurses auf Unverständnis stieß, könnte eine Ausweitung der Modellpalette eine Reaktion darauf sein. "Warum gibt es eigentlich eine so große Lücke zwischen dem Audi TT und den Supersportwagen von Lamborghini", sagte Winterkorn.

Auch wenn Paefgen in Ingolstadt beliebt war, wurde Winterkorn bei Audi nach Angaben aus Unternehmenskreisen ausgesprochen freundlich empfangen. Der Schwabe ist ein alter Audianer. Vor gut 20 Jahren hatte er seine Laufbahn bei Audi als Assistent des Qualitäts- Vorstands begonnen. Unter dem Audi-Chef Piech wurde er 1990 Leiter der Qualitätssicherung. Auch wenn er zuletzt mehr als acht Jahre in der Wolfsburger Konzernzentrale arbeitete, behielt er seinen Wohnsitz in Ingolstadt. Mit Audi-Finanzvorstand Abele arbeitete er unter anderem bereits früher eng im so genannten "Sechser-Kreis" zusammen, der Strategien im VW-Konzern entwickelte.

Markenfamilie

In seinem neuen Amt muss Winterkorn nun nicht nur Audi auf Erfolgsspur halten, sondern auch die Markenfamilie um Audi mit Leben erfüllen. Noch sind die Strukturen und die Ausformung weitgehend unklar. Nach Einschätzung von Branchenkennern würde es möglicherweise mehr Sinn machen, wenn Seat im Rahmen der Neuordnung des VW-Konzerns auch rechtlich zu einer Audi-Tochter würde.

Nach Winterkorns Einschätzung ist eine operative Zusammenlegung aber zweitrangig. Hauptziel sei eine bessere Marktabdeckung und die stärkere Nutzung von Synergien, sagte er in Genf. "Die Konstruktion der Markengruppe gibt uns die Möglichkeit, die Themen Sportlichkeit und Dynamik in jeder automobilen Liga zu spielen, ohne dass sich eine Marke mit der anderen überschneidet", sagte Winterkorn. Seat habe dabei das Potenzial, "die Einstiegsdroge für Audi und, wer weiß, vielleicht auch für Lamborghini zu sein". (APA/dpa)

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