Defizit der Krankenkassen wird bis 2004 wieder kräftig steigen

5. März 2002, 14:58
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Auf 482,7 Millionen Euro - Bericht der Geschäftsführung im Verwaltungsrat - Kandlhofer: "Grobe Schätzung"

Wien - Entgegen den Beteuerungen von Regierungsseite, das Defizit der Krankenkassen weitgehend im Griff zu haben, wird nach einem Rückgang im Vorjahr in den nächsten Jahren wieder ein kräftiger Anstieg des Defizits erwartet. Bis 2004 soll der Abgang der Kassen auf 482,7 Millionen Euro oder 6,64 Milliarden Schilling ansteigen. Das geht aus einem der APA vorliegenden Bericht der neuen Geschäftsführung des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger hervor, der in der letzten Sitzung des Verwaltungsrates vergangenen Freitag präsentiert worden ist.

Im Vorjahr ist der Abgang der Krankenkassen laut vorläufigem Ergebnis auf 149 Mill. Euro oder 2,05 Mrd. S gesunken. Das war deutlich weniger als ursprünglich befürchtet, im Voranschlag hatte man noch mit 422 Mill. Euro (5,8 Mrd. S) gerechnet. Nach dieser erfreulichen Entwicklung rechnet die Geschäftsführung nun aber wieder mit einem Anstieg. Heuer wird das Defizit laut Voranschlag 232 Mill. Euro (3,2 Mrd. S) betragen.

Anstieg auf 482,7 Millionen Euro vorausgesagt

Für 2003 nimmt die Geschäftsführung in dem Bericht einen Abgang von 389 Mill. Euro (5,35 Mrd. S ) an. 2004 soll das Defizit sogar auf 482,7 Mill. Euro (6,64 Mrd. S) ansteigen.

Gesundheitsstaatssekretär Reinhart Waneck (F) hatte vorige Woche noch gemeint, das Nulldefizit in der Krankenversicherung sei praktisch bereits erreicht. Seine Rechnung: Der vorläufige Abgang für das vergangene Jahr liege bei 2,04 Mrd. S (149 Mill. Euro), dafür stünden aber im Ausgleichsfonds zwischen den Trägern 1,99 Mrd. S zur Verfügung. Zudem sei im endgültigen Ergebnis für 2001 noch ein weiterer Defizit-Rückgang zu erwarten, wodurch das Nulldefizit praktisch gesichert sei, so Waneck vergangenen Mittwoch.

Ausgabeposten steigen deutlich

Verursacht wird das steigende Defizit dadurch, dass nicht nur die Einnahmen, sondern auch alle Ausgabenposten der Krankenkassen deutlich steigen. Die Beitragseinnahmen steigen laut dem Bericht heuer um 2,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, im nächsten Jahr um 2,7 Prozent und 2004 um 2,9 Prozent. Die Medikamentenausgaben sollen heuer und im nächsten Jahr um jeweils 5,8 und 2004 um 5,9 Prozent steigen. Die Ausgaben für die Anstaltspflege sollen um 2,6 bzw. 2,8 sowie 2,9 Prozent wachsen. Rückläufig ist hingegen die Wachstumsrate bei den Ausgaben für die ärztliche Hilfe und zwar von 3,9 Prozent heuer auf 3,6 im nächsten Jahr und 3,5 Prozent im Jahr 2004. Auch bei der Zahnbehandlung und dem Zahnersatz sind die Steigerungsraten rücklaufig, nämlich von 2,9 über 2,5 auf 2,4 Prozent bzw. von 2,2 über 1,5 auf 1,4 Prozent.

Der Verwaltungsaufwand soll heuer um 1,5 Prozent steigen. Im Jahr 2003 wird mit einem Rückgang der Verwaltungskosten um 1,9 Prozent gerechnet, im Jahr 2004 sollen sie dann wieder um 2,2 Prozent steigen. Hintergrund dieser Entwicklung ist die Verpflichtung der Krankenkassen, die Verwaltungsausgaben bis 2003 auf dem Stand von 1999 einzufrieren.

Zahlen sind für Kandlhofer "grobe Schätzung"

Als "grobe Schätzung" hat der Sprecher der Geschäftsführung im Hauptverband der Sozialversicherungsträger, Josef Kandlhofer, das prognostizierte Ansteigen des Defizits bezeichnet. Es handle sich dabei um keinen Zielwert der 23 Krankenversicherungsträger. Die Krankenversicherungen haben für jedes Geschäftsjahr einen Voranschlag und im Zusammenhang damit vierteljährlich eine "rollierende Gebarungsvorschaurechnung" für die nächsten zwei Jahre zu erstellen, um bei bestimmten Entwicklungen in der Gebarung rechtzeitig gegensteuern zu können, erläuterte Kandlhofer in einer Aussendung das Zustandekommen der Zahlen.

(APA)

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