Alzheimer-Impfstoff gescheitert

4. März 2002, 21:04
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"AN-1792" war mit vielen Vorschusslorbeeren bedacht worden - 15 Patienten starben jedoch mit Symptomen einer Gehirnentzündung

London - Das irische Pharmaunternehmen Elan Corporation hat Versuche mit dem einst hochgepriesenen experimentellen Alzheimer-Impfstoff AN-1792 fallengelassen. Grund dafür war der Tod von 15 Patienten, die Symptome einer Gehirnentzündung entwickelten, berichtet das Fachmagazin New Scientist.

Tests im Jahr 2000 betonten noch die Sicherheit der Impfung. Eine internationale Forschergruppe wurde mit der Auswirkung des Impfstoffs auf das Immunsystem von Patienten mit milder bis mäßiger Alzheimer beauftragt. Bereits im Januar 2002 wurden Versuche abgebrochen, nachdem 97 Patienten eine Entzündung des zentralen Nervensystems entwickelten.

Überstimulation als Ursache vermutet

"Die Entscheidung, die Impfung gänzlich aufzugeben, geschieht im Interesse der Gesundheit und Sicherheit der Patienten", erklärte Elan-Forschungsleiter Ivan Lieberburg. Er spekuliert, dass der Impfstoff möglicherweise die Immunreaktion bei einigen Patienten überstimuliert hat. Die Lösung könnte sein, spezifische Dosen von Beta-Amyloid-Antikörpern zu injizieren und nicht den Körper zur Produktion von Antikörpern anzuregen, meinte Lieberburg. AN-1792 enthält synthetische Fasern des Beta-Amyloid-Proteins. Beta-Amyloide sind der Hauptbestandteil der Plaques, die sich im Gehirn von Alzheimer-Patienten bilden. Im Tierversuch wirkte der Impfstoff, indem er das Immunsystem ankurbelte und die Plaques entfernte.

Forscher befürchteten bereits, dass eine Impfung gegen das Protein zu Nebenwirkungen führen könnte, wie es bei jenen 15 Patienten der Fall war. "Bei jeder Impfung besteht das Risiko einer Entzündung", so David Smith, Geschäftsführer des britischen Alzheimer Research Trusts. Einen anderen Weg bestreitet aus diesem Grund das amerikanische "National Institute On Aging". Es plant Versuche mit Homocystein-senkenden Vitaminen. Eine in den USA durchgeführte Studie an 1.000 Personen hat gezeigt, dass ein hoher Homocystein-Blutspiegel das Risiko, nach acht bis elf Jahren Alzheimer zu entwickeln, verdoppelt. Im nächsten Schritt sollen die Forschungen auf Menschen mit einer vollausgeprägten Demenz ausgedehnt werden. (pte)

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