Der Regen sollte sie hinwegwaschen

4. März 2002, 20:41
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Die Burgen von Bellinzona sind noch immer rotgestreift - Nun soll die Feuerwehr das "temporäre" Kunstwerk Felice Varinis entfernen

Bellinzona - Mit knallroten Streifen verziert hat der Künstler Felice Varini die drei Burgen von Bellinzona im Schweizer Tessin, die vergangenen Sommer ins UNESCO-Welterbe aufgenommen wurden. Regenfälle hätten die Farbe im Winter zum Verschwinden bringen sollen. Weil es nicht regnete, hat Bellinzona nun ein Problem. Die Feuerwehr klärt derzeit ab, wie man die Dekoration wieder los werden könnte. Bis 21. März will Franco Ruinelli, Direktor von Bellinzona Turismo, nichts mehr vom Eingriff des Künstlers sehen.

Über die Kosten wird geschwiegen

"Mit heißem Wasser sollten der Leim und die Farbe entfernt werden können", sagte er am Montag auf Anfrage. Über die Kosten der Säuberungsaktion schweigt er. Eigentlich hätten sich die Streifen von Varini durch die Regen- und Schneefälle von selber entfernen sollen. Da der diesjährige Winter im Tessin jedoch extrem trocken und kalt war, hat sich die Zusammensetzung der chemischen Substanzen verändert. Die Farbe und der Leim haben sich tief ins mittelalterliche Gemäuer eingefressen.

Politische "Nachbeben"

Ruinelli findet die Idee des Künstlers Varini nach wie vor genial: "Die Streifen haben provoziert. Die Bürger von Bellinzona wurden gezwungen, wieder einmal zu ihren Burgen hochzuschauen und sich mit dem historischen Erbe auseinanderzusetzen." Zumindest auf politischer Ebene ist die Auseinandersetzung noch nicht abgeschlossen. Lega-Gemeinderat Alessandro Torriani rät dem Municipio in einer Anfrage, in Zukunft nachzudenken, ehe man fahrlässig ein historisches Monument verwüste. Er möchte in seiner Anfrage von der Stadtexekutive wissen, was sie zu unternehmen gedenke, um die "unglückliche Dekoration" wieder zu entfernen. (APA/sda)

Das Projekt präsentiert sich auf bellinzonaturismo.ch
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