Fremde Töne für Tallinn

5. März 2002, 19:15
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"Es gibt ja nur eine beschränkte Anzahl an Tönen." Manuel Ortega, unser Mann beim Song Contest 2002, reagiert auf Plagiatsvorwürfe gelassen. - 5. März 2002

Kritische Geister könnten natürlich einwenden, dass es sich bei seinem Beitrag Say A Word um eine freche Mischung aus zwei alten Hadern des Pop handelt: Immerhin hat das rein auf einem einzigen Refrain aufbauende Stück sowohl von All Right Now, dem bekanntesten Song der britischen 70er-Jahre-Hardrocker Free, abgeschaut, wie auch der Welthit Things Can Only Get Better der Teenieband D:ream aus den 90er-Jahren Pate gestanden haben könnte.

An der Richtigkeit von Ortegas Behauptung ändert das allerdings nichts. Wenn heute dank MP3-Files und CD-Brennern der Urheberschutz als urzeitliches Vermächtnis der Tonträgerindustrie erscheint, muss aufgrund der Samp- ling-Technik folgerichtig auch der Schutz der Kompositionen selbst fallen.

Den Rest besorgen die zwar endlichen, aber nicht gerade geringen Kombinationsmöglichkeiten der fünftönigen Kinderliedmelodie, aus denen sich ein Großteil von Pop speist. Dabei ist noch gar nicht mit eingerechnet, dass man mit beigesteuerten Harmonien und diversen Rhythmen noch zusätzlich variieren - und eben auch verschleiern kann.

Wenn, wie es laut Ortega heißt, höchstens drei von fünf Tönen von All Right Now für Say A Word adaptiert worden sind, dann ist das doch für heutige Zeiten ein guter Schnitt! Für Tallinn wir er allemal reichen. Den Rest regeln dann die Anwälte. (schach/DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 5. März 2002)

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