Bayern: Alles beim Alten

4. März 2002, 19:53
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Schlappe oder nicht Schlappe? Das ist hier die Frage. Ein Kommentar von Gerhard Plott

Der erste Schock dauerte nur kurz, dann hat sich CSU-Generalsekretär Thomas Goppel wieder gefangen. Nein, das Ergebnis der bayerischen Kommunalwahlen sei keine Schlappe für die CSU, Edmund Stoiber, der Kanzlerkandidat der Union, sei nicht beschädigt, immerhin gebe es auch Wahlkreise, in denen seine Partei dazugewonnen habe, das mache die Schlappe in den Städten wieder wett. So kann man es natürlich auch sehen.

Tatsache ist, dass sich die CSU-Granden vom ersten Probegalopp für die Bundestagswahlen im Herbst wegen des Einsatzes von Edmund Stoiber als Wahlkampflokomotive wesentlich mehr erwartet haben. Es war doch ein Heimspiel für den blonden Bayern. Doch die Wähler verteilten ihre Stimmen im Freistaat wie gewohnt, die Schwarzen beherrschen nach wie vor das bergige Land, die Roten die Städte. Es blieb alles beim Alten.

Dass die CSU ihren Heimvorteil bei weitem nicht ausnützen konnte, lag auch am Erscheinungsbild einiger Kandidaten für die Kommunalwahl. Der urgemütliche Aribert Wolf, der ursprünglich gegen Christian Ude in München antreten sollte, kreierte den Slogan "Mit Sicherheit ein gutes Gefühl". Doch mit diesem Motto warb schon vor Jahren eine Firma für Slipeinlagen. Wolf wurde schließlich unter allgemeinem Spott aus dem Rennen genommen, und seinem Nachfolgekandidaten blieb keine Zeit mehr, ein zugkräftiges Image aufzubauen.

Die Auswirkungen der bayrischen Kommunalwahlen auf die Bundestagswahl werden wahrscheinlich marginal sein, in Bayern gehen die Uhren anders als im übrigen Deutschland. 1998 siegte die CSU bei Landtagswahlen souverän, um Wochen später bei den Bundestagswahlen dramatisch zu verlieren. Die Wähler differenzieren zwischen Bundes- und Landespolitik. (DER STANDARD Print-Ausgabe, 5.3.2002)

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