Neuer Kollektivvertrag verteuert Leiharbeit

4. März 2002, 18:39
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Mehr Lohn und längere Kündigungsfristen

Wien - Der seit 1. März geltende neue Kollektivvertrag (KV) für rund 30.000 Leiharbeiter in Industrie, Handwerk und Gewerbe wird die Personalkosten für Unternehmen, die Leiharbeiter beschäftigen, verteuern. Das sagte der Geschäftsführers des Personaldienstleisters Manpower Austria, Peter Lisowski, am Montag. Es sei aber abzuwarten, wie viel diese Verteuerung ausmachen werde, derzeit werde noch "durchkalkuliert".

Für die Verteuerung der Leiharbeiter sind laut Arbeits-und Sozialrechtsexperten Wolfgang Mazal hauptsächlich zwei Arten von Regelungen ausschlaggebend. Einerseits sind dies die Bestimmungen über die Mindesteinkünfte, die zum Teil deutliche Lohnerhöhungen vorsehen. Diese könnten praktisch das Ende der Leiharbeit in den Niedriglohnbranchen bedeuten, so Mazal. Andererseits werden auch die neuen KV-Bestimmungen über die Vertragsbeendigung zu einer Verteuerung beitragen. Diese sehen unter anderem längere Kündigungsfristen vor.

Gleichstellung

Diese höheren Kosten für Leiharbeitskräfte könnten dazu führen, dass Unternehmen nun einen weiteren Grund zur verstärkten Auslagerung der Produktion ins billigere Ausland hätten, befürchtet Lisowski. Zu begrüßen sei aber die geplante Gleichstellung der Arbeitskräfteverleiher mit dem Arbeitsmarktservice (AMS) als Arbeitsplatzvermittler.

Generell hätten sich Personaldienstleister in den vergangenen Jahren in Österreich gut etabliert, so Lisowski. Unternehmen mit wechselnden Personalkapazitäten hätten gelernt, bei Bedarf Arbeitskräfte zuzukaufen, um so die Fixkosten im Betrieb ohne Risiko besser im Griff zu haben und konkurrenzfähig zu bleiben. Derzeit würden vor allem größere Firmen die Dienste der Personaldienstleister in Anspruch nehmen. (APA, DER STANDARD, Printausgabe 5.3.2002)

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