Neue Initiative gegen Drogen und Alkohol

4. März 2002, 21:09
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Tirol: Politik kontra Experten

Innsbruck - Gegen den Widerstand der Experten im Suchtbeirat wollen die Landesräte Herbert Prock (Soziales/SP) und Elisabeth Zanon-zur Nedden (Gesundheit/VP) der langjährigen Drogenkoordinatorin Helga Oberarzbacher einen zweiten, gleichberechtigten Koordinator zur Seite stellen. Begründung: Die neue Suchtkoordinationsstelle soll sich neben illegalen Drogen vermehrt auch um den Bereich Alkohol kümmern soll, gelten doch fünf Prozent der Gesamtbevölkerung als alkoholabhängig, zehn Prozent als gefährdet.

Zweiter Suchtkoordinator soll Harald Kern werden, der zuvor die am 20. Jänner geschlossene landeseigene Drogenberatungsstelle des Landes geleitet hat. Geplant sei, so Prock und Zanon-zur Nedden auf einer Pressekonferenz, dass sich die Koordinatoren die Aufgaben nach regionalen Gesichtspunkten teilen.

Seitens des Suchtbeirates haben sich dessen Vorsitzender, der Psychiater Christian Haring, der Vorstand der Innsbrucker Psychiatrie Hartmann Hinterhuber und der Strafrechtler Christian Bertel klar dagegen ausgesprochen, eine "bewährte Struktur" zu zerschlagen. Der hohe Standard in Diagnostik, Therapie und Rehabilitation sei großteils "durch die konsequente Tätigkeit der Drogenkoordinatorin" erreicht worden, meinte Hinterhuber. Für Bertel sind mehrere Koordinatoren "nicht sinnvoll".

Ein Koodinator mit sieben Mitarbeitern

Prock erklärt dazu, dass es in Wien sogar acht Drogenkoordinatoren gebe, verschweigt allerdings, dass es sich um einen Koordinator mit sieben Mitarbeitern handelt. Die Stellungnahme des Suchtbeirates sei "nicht dessen Aufgabe", erklärte Prock und: "Der Landesamtsdirektor steht mir näher als der Suchtbeirat." In diesem Sinne begründet Prock auch, dass Kern amtsintern und - im Unterschied zu Obarzbacher - ohne Ausschreibung zum Zug kommt. Die Ankündigung Harings, als Beiratsvorsitzender zurückzutreten, qualifiziert Prock als "persönliche Animosität".

"Ohne mein Einverständnis", kommentiert Oberarzbacher die Vorgänge und verweist auf unberücksichtigte Vorschläge ihrerseits. Diese beinhalteten die Ausschreibung einer neuen Stelle für fachliches Controlling in der Suchtarbeit sowie eine personelle Trennung der Koordination für die Bereiche illegale Drogen und Alkohol. (hs, Der Standard, Printausabe, 05.03.02)

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