Was sein wird, wenn nicht mehr Häfen droht

4. März 2002, 20:24
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Hosi will Entschädigung nach 209er-Urteilen

Wien - "Noch in diesem Jahr" werde es aus sein mit dem "peinlichen Paragraphen" 209 StGB, der Beziehungen über 19-jähriger Männer mit unter 18-jährigen verbietet, ist der Generalsekretär der Homosexuelleninitiative (Hosi) Wien, Kurt Krickler, überzeugt: "Schafft es der Verfassungsgerichtshof nicht, in einer seiner nächsten Sessionen das ungleiche Mindestalter aufzuheben, so wird ihm der europäische Gerichtshof für Menschenrechte zuvorkommen", ist er sicher.

Und so machte Krickler einfach, als sei es schon so weit: "Nach der Aufhebung des § 209", lautete, frei nach den Regeln der Warzenbeschwörung, der Titel einer Hosi-Pressekonferenz. Bei der, für die Zeit danach, weit mehr als kosmetische Maßnahmen gefordert wurden.

"Erstens: Der Nationalrat soll sich für die Verfolgung von Lesben und Schwulen in der NS-Zeit und später entschuldigen. Zweitens: Alle Verurteilten sollen rechtlich rehabilitiert werden. Drittens: Alle Verfolgungsopfer sollen das Recht auf Entschädigung erhalten", zählte Hosi-Obmann Christian Högl auf. Bei den Entschädigungen für die seit 1971 allein wegen des Schwulenschutzalters rund 1200 Verurteilten gehe es "weniger ums Geld als um die Symbolik", präzisierte Hosi-Obfrau Helga Pankratz. "Ein neues Gerechtigkeitsgefühl" müsse aufgebaut werden.

Im Jahr 2000 wurde indes jeder zweite nach dem (noch) gültigen Paragraphen Verurteilte direkt ins Gefängnis geschickt. Laut Rechtsanwalt Helmut Graupner "der höchste Anteil unbedingter Urteile, den es je gab", wenn die Zahl der Urteile insgesamt - zehn Sprüche - auch sehr niedrig gewesen sei. (bri, Der Standard, Printausgabe, 05.02.02)

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