Neue Flash-Version im Anflug

5. März 2002, 11:05
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Besonderes Kennzeichen: Verbesserte Videounterstützung

Eine neue Flash-Generation betritt in dieser Woche die bunte Bühne des World Wide Webs: Als Nachfolger von Flash 5.0, einer der meist verbreiteten Multimedia-Techniken für Online-Auftritte, will Flash MX aus Web-Seiten Internet-Anwendungen machen - Seiten mit Software-Funktionen, die weit über die Darstellung von Text und Bild, Ton und Video hinausgehen. "Flash MX ist das wichtigste Update, das wir jemals hatten", sagte der zuständige Produktmanager des Herstellers Macromedia, Eric Wittman, bei der Präsentation in München.

Reichweite: 97 Prozent des Internet-Publikums

Flash ist zwar kein offizieller Internet-Standard, spielt aber dennoch die Rolle eines De-Facto-Standards und ist darin mit dem PDF-Dokumentenformat der Firma Adobe vergleichbar. Seit der ersten Ausgabe des Programms im Jahr 1996 haben zahllose Unternehmen und Privatpersonen Flash-Animationen auf ihre Web-Site gebracht. Da die aktuellen Browser den Flash-Player - also das Programm zur Darstellung dieser Animationen - schon eingebaut haben, erreicht die Technik 97 Prozent des Internet-Publikums.

Geringer Speicherbedarf

Der wohl wichtigste Erfolgsfaktor von Flash ist der geringe Speicherbedarf: Weil Flash vor allem Vektorgrafiken statt aufwendiger Pixelbilder einsetzt, können schon mit geringen Dateigrößen große Wirkungen erzielt werden. Auch bei einer langsamen Internet-Verbindung wird es bereits nach wenigen Sekunden auf dem Bildschirm lebendig.

"Künftig wird die Mehrheit der Flash-Nutzer nicht nur nette Filmchen, sondern auch umfangreiche Internet-Anwendungen entwickeln", erwartet Wittman. Schon jetzt gebe es Unternehmen, die wie General Motors ihren gesamten Web-Auftritt "geflasht" hätten.

ActionScript

Schon mit Flash 5.0 konnte für Internet-Anwendungen wie das Online-Shopping die spezielle Flash-Programmiersprache ActionScript eingesetzt werden, die sich an das verbreitete JavaScript anlehnt. In Flash MX wird dies zu einer umfassenden Entwicklungsplattform ausgebaut, die unter anderem einen Katalog von gängigen Elementen für die grafische Benutzeroberfläche enthält, also zum Beispiel Fenster, Schaltknöpfe und Scroll-Leisten. Darüber hinaus wurde die XML-Unterstützung ausgebaut, die für das Abrufen entsprechend formatierter Informationen aus Datenbanken wichtig ist. Und schließlich gibt es eine Brücke zu den neuen Entwicklungskonzepten .NET (Microsoft) und J2EE (Java), mit denen sich "Web-Services" erstellen lassen, also verteilte Internet-Anwendungen, die automatisch auf die Daten einer Web-Site zugreifen.

Der neue Ansatz zeigt sich schon beim Start des Programms: Der Nutzer wird gefragt, ob er als Designer eine Multimedia-Animation erstellen oder eher als Programmierer eine Internet-Anwendung entwickeln will. Die Antwort bestimmt, welche Standardauswahl an Hilfsmitteln und Auswahlfenstern (Panels) dem Nutzer auf der Oberfläche des Autorenwerkzeugs angeboten wird.

Multimedia-Fähigkeiten

Um die klassischen Web-Designer nicht zu verärgern, hat Macromedia auch die Multimedia-Fähigkeiten von Flash weiter vorangetrieben. Neu sind etwa interaktive Videos, bei denen der Betrachter die Kamera-Einstellung verändern kann. Filme im avi-, mpeg- oder Quicktime-Format mov können in das Flash-Projekt importiert werden. Einzelfotos und MP3-Audiodateien müssen nicht mehr in die Flash-Datei dazu gepackt werden, sondern können dynamisch geladen werden, während der Flash-Film bereits abläuft. Für Designer gebe es mehr als 1.000 neue Features, sagte Macromedia-Manager Wittman.

Geändert hat sich auch das swf-Dateiformat. Zwar kann man die kreativen Ergebnisse weiter im Flash-5-Format speichern. Mit der Zeit werden im Web aber Auftritte mit dem neuen Flash zunehmen, so dass man sich bei Macromedia den neuen Player herunterladen sollte. Diese kostenlose Software gibt es für nahezu alle Betriebssysteme und darüber hinaus auch für Handheld-Computer wie den Palm.

"Rich Web Content"

Flash MX und der zugehörige Player sind nur zwei Bausteine eines umfassenden Konzepts, das Macromedia mit dem Schlagwort vom "Rich Web Content" (hochwertige Web-Inhalte) beschreibt. Das jetzt eingeführte Flash-MX-Paket kostet 509 Euro (bei Download der Software sind es 70 Euro weniger); das Update von einer Vorgängerversion 239 Euro. Nach Flash MX sollen zur Jahresmitte passende Server-Programme erscheinen. Diese unterstützen unter anderem das Messaging (Echtzeit-Kommunikation wie beim Chat), Video- und Audio-Streaming sowie die Synchronisierung von Daten. (APA/AP)

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