Mehrheit gegen flexible Arbeitszeit

4. März 2002, 18:50
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Ifes-Umfrage: 64 Prozent lehnen einen Zwölf-Stunden-Tag ab - Scharfe ÖGB-Kritik an Bartenstein-Vorschlägen

Wien - Nun liegt neuer Sprengstoff zum Thema Arbeitszeitflexibilisierung am Tisch. In einer Erhebung des Ifes-Instituts sprechen sich 64 Prozent der Befragten gegen eine weitere Ausdehnung der Normarbeitszeit von zehn auf zwölf Stunden aus, wie sie Wirtschaftsminister Martin Bartenstein fordert. 29 Prozent können sich hingegen für dessen Idee erwärmen. Unter ÖVP-Sympathisanten folgen in der Gesamtstichprobe 37 Prozent der Befragten der Idee des VP-Ministers, der große Rest zieht nicht mit.

Besonders deutlich wird die Ablehnung des Plans bei der parallel dazu durchgeführten Umfrage unter Gewerkschaftsmitgliedern, von denen sich 75 Prozent gegen die Arbeitszeitausdehnung stellen. Bei den Arbeitern ist die Ablehnung mit 85 Prozent am höchsten, aber auch 69 Prozent der Angestellten stemmen sich dagegen.

FPÖ bleibt hart

Dagegen ist freilich auch die FPÖ. So bekräftigt Klubobmann Peter Westenthaler auf Anfrage des Standard nun, "dass es keine Belastung der Arbeitnehmer durch eine Ausweitung der Arbeitszeit geben werde". Die VP hatte in den letzten Wochen die Blauen aufgefordert, ihre Einstellung zu überdenken, weil diese "die Arbeitszeitflexibilisierung im Rahmen des Konjunkturpaketes der Regierung mitunterschrieben haben".

ÖGB-Kritik

Bartenstein führt ins Treffen, dass durch eine entsprechende gesetzliche Regelung die "Grauzone beseitigt würde, in der Unternehmen mit flexiblen Arbeitszeitmodellen derzeit noch agieren müssen". Richard Leutner, Chef der ÖGB-Grundsatzabteilung sieht darin hingegen "nur den Versuch, den Leuten die Überstundenzuschläge kappen zu wollen". Auf Kollektivvertragsebene sei es derzeit sowieso schon möglich, vielfältige Arbeitszeitmodelle umzusetzen.

Standardmodelle

Leutner fallen ad hoc allein sechszehn flexible Standardmodelle ein, die bereits quer durch alle Sparten - vom medizinischen Bereich über soziale und Sicherheitsdienste, den Metall- und Kfz- sowie den Informationsbereich, vom Handel bis zum gesamten Fremdenverkehrs-, vom Transport- bis zum Reinigungsgewerbe - praktiziert werden. Einige Beispiele:

Um einen unverhältnismäßigen wirtschaftlichen Nachteil zu verhindern und bei erhöhtem Arbeitsbedarf, können in zwölf Wochen/ Jahr Überstunden bis zur Tagesarbeitszeit von zwölf Stunden geleistet werden. Bei Schichtwechsel und am Wochenende kann ebenfalls zwölf Stunden durchgearbeitet werden. Durchrechnung der Arbeitszeit im Handel: tägliche Normarbeitszeit zehn Stunden bei Vier-Tage-Woche.

Bei Arbeitsbereitschaft ist eine Tagesarbeitszeit bis zu zwölf, mit Überstunden bis zu 13 Stunden und eine wöchentliche Normarbeitszeit bis 60 Stunden möglich. Beim Einarbeiten ist die wöchentliche Normarbeitszeit 50 Stunden. (Monika Bachhofer, DER STANDARD, Printausgabe 5.3.2002)

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