Leiharbeiter werden durch neuen KV teurer

4. März 2002, 15:09
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Manpower Chef Lisowski: KV schützt kleinere Betriebe vor Ausnutzung

Wien - Der seit vergangenen Freitag, den 1. März, geltende neue Kollektivvertrag (KV) für das Gewerbe der Arbeitsüberlassung wird nach Ansicht des Geschäftsführers der Manpower Austria Personaldienstleistungen GmbH, Peter Lisowski, die Personalkosten für Unternehmen, die Leiharbeiter beschäftigen, verteuern. Es sei aber abzuwarten, wie viel diese Verteuerung ausmachen werde, derzeit werde noch "durchkalkuliert", sagte der Personaldienstleister.

Für die Verteuerung der Leiharbeiter sind laut Arbeits- und Sozialrechtsexperten Wolfgang Mazal hauptsächlich zwei Arten von Regelungen ausschlaggebend. Einerseits sind dies die für den Arbeitnehmer positiven Regelungen über die Mindesteinkünfte, die zum Teil deutliche Lohnerhöhungen vorsehen. Diese könnten praktisch das Ende der Leiharbeit in den Niedriglohnbranchen bedeuten, so Mazal. Andererseits werden auch die neuen Regelungen über die Vertragsbeendigung - die laut Mazal teilweise unklar formuliert sind - zu einer Verteuerung des Leiharbeitspersonal beitragen. Diese Regelungen sehen längere Kündigungsfristen und noch andere Beendigungshürden vor.

Neue KV wird begrüßt

Generell wird der neue KV, der für rund 30.000 Leiharbeiter in Industrie, Handwerk und Gewerbe gilt, von Manpower Austria-Geschäftsführer begrüßt. Lisowski, Vorstandsmitglied des Verbandes für Zeitarbeit (VZA), der österreichweit rund 60 Prozent der Branche abdeckt, sieht durch die neuen KV-Regelungen vor allem für kleinere Gewerbetreibende Vorteile, da diese jetzt von den diversen Leiharbeitsfirmen nicht mehr so ausgenutzt werden könnten. "80 Prozent der Arbeitnehmer arbeiten in Gewerbebetrieben und bei Klein- und Mittelbetrieben", so Lisowski.

Die höheren Kosten für Leiharbeitskräfte könnten sich aber insofern negativ auswirken, dass Unternehmen nun einen weiteren Grund zur verstärkten Auslagerung der Produktion ins billigere Ausland hätte, befürchtet Lisowski.

"Jedes Instrument muss recht sein"

Auch die geplante Gleichstellung der Arbeitskräfteverleiher mit dem Arbeitsmarktservice (AMS) als Arbeitsplatzvermittler sei zu begrüßen. Damit werde einer 14 Jahre alten Forderung der Branche Rechnung getragen. "Jedes Instrument sollte recht sein, um Menschen zur Arbeit zu bringen und nicht bloß einzulagern", so Lisowski.

Potenzielle Arbeitssuchende sollten aber bei ihrer Wahl, an wen sie sich wenden wollen, frei gestellt sein, "um das Beste für sie aussuchen zu können". Gleichzeitig sei aber auch Chancengleichheit zwischen den Personaldienstleistern nötig: "Gemeinnützige Vereine, die nicht mehr gemeinnützig sind, wie das ZAT ("Zentrum der Arbeit und Technik", Anm.) in der Steiermark haben einen Wettbewerbsvorteil", kritisiert Lisowski.

"Großer Durchbruch"

Der als "großer Durchbruch" bezeichnete Kollektivvertrag (KV) für das Arbeitsüberlassungsgewerbe trat am 1. März 2002 in Kraft. Die Regelungen über die Bezahlung der Leiharbeiter während der Beschäftigung und in Stehzeiten betreffen österreichweit knapp 30.000 Arbeiter in der Industrie, dem Handwerk und Gewerbe. Damit betrifft der KV die Mehrheit der rund 33.000 per Ende Juli 2001 von den Personalbereitstellern vermittelten Arbeitskräfte. Diese weisen nämlich mit 75 Prozent eine klare Dominanz der männlichen Arbeiter auf. Die Bedingungen für angestellte Leiharbeiter sind seit 1988 im Arbeitskräfteüberlassungsgesetz 1988 (AÜG) geregelt.

Am derzeitigen Anteil der Leiharbeitskräfte an den Gesamtarbeitskräften von im Jahresdurchschnitt 0,8 Prozent werde sich in naher Zukunft nichts ändern, meinte Lisowski.(APA)

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