Falscher "Dr. med" wieder in U-Haft

4. März 2002, 14:56
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In Graz promovierter "Mediziner" hatte nur eine Prüfung abgelegt

Graz - Erneut in U-Haft genommen wurde jener bayrische Arzt, dem vor sieben Jahren an der Grazer Universität in Blitzzeit der Doktortitel zuerkannt worden war. Gegen den Mediziner, der 1997 an der Grazer Medizinischen Fakultät promovierte, obwohl er dort während seiner Studienzeit nur eine einzige medizinische Prüfung abgelegt hatte, wird seit Anfang Dezember vergangenen Jahres auf die Vorwürfe der Körperverletzung und des Betrugs ermittelt.

Prüfung seines "Studiums"

Während der 45-Jährige bisher gegen Kaution auf freien Fuß gesetzt worden war, wurde nun wieder die Haft verhängt, teilte der deutsche Oberstaatsanwalt Herbert Michalke mit.

"Wir mussten den Herrn wieder in Untersuchungshaft nehmen, weil er den Auflagen, die er zu erfüllen hatte, nicht nachgekommen ist", so Michalke. Die Ermittlungen laufen nach wie vor. Unter anderem soll geklärt werden, wie es dem bisher in Bad Reichenhall praktizierenden Akademiker gelungen ist, in Graz offiziell zum "Dr. med." zu promovieren. Zu Details der bisherigen Untersuchungen, wollte der Traunsteiner Oberstaatsanwalt allerdings nicht Stellung nehmen. "Es wird auf die Grazer Universität noch einiges zukommen", kündigte er an.

Aufhebung des Dekrets

"Unsere Abteilung ist mit dem Fall befasst", so Johannes Passini von der Rechts- und Organisationsabteilung der Universität. Über das laufende Verfahren dürfe er sich allerdings "selbstverständlich nicht" äußern. Grundsätzlich, so Passini, sei die von der Medizinischer Fakultät verliehene Urkunde rechtskräftig. Sollte allerdings nachgewiesen werden, dass der akademische Grad durch die Vorlage gefälschter Zeugnisse erlangt wurde, bestünde nach Paragraph 68 des USTG die Möglichkeit, das Dekret durch den Studiendekan aufheben zu lassen.

Biologe als Mediziner

Der gebürtige Deutsche hatte zunächst an der Salzburger Universität Biologie studiert und dort auch den Doktorgrad der Naturwissenschaftlichen Fakultät erlangt. Danach inskribierte er an der Grazer Universität Medizin und promovierte dort im Jahr 1997. Wie der mittlerweile in Pension gegangene damalige Leiter der Studienabteilung, Johann Blaickner, erklärte, habe damals der Vorsitzende der Studienkommission der Fakultät, dem bereits emeritierten Thomas Kenner, alle bis auf eine Prüfung aus dem Biologie-Studium für das Medizin-Studium angerechnet.

Assistenzarzt für Endokrinologie

Nach Deutschland zurückgekehrt, arbeitete der in Graz promovierte Mediziner zuerst als Assistenzarzt für Endokrinologie an der privaten Schlossklinik Abtsee bei Laufen und machte sich Anfang 2000 selbstständig und spezialisierte sich auf Hormonimplantate. Die Ermittlungen brachte die Laufener Klinik ins Rollen, die daran zweifelte, dass ihr ehemaliger Mitarbeiter die dafür notwendige Facharztausbildung absolviert hat. (APA)

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