Kein Österreicher als EZB-Vize

5. März 2002, 18:45
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Finanzminister Grasser nimmt endgültige Absage von OeNB-Gouverneur Liebscher mit Bedauern zur Kenntnis

Brüssel - Österreich wird keinen eigenen Kandidaten ins Rennen um den Posten des Vizepräsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB) schicken. Der Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB), EZB-Ratsmitglied Klaus Liebscher, hätte zwar große Chancen gehabt, habe aber seine endgültige Entscheidung am Montag getroffen, nicht zu kandidieren, sagte Finanzminister Karl-Heinz Grasser am Dienstag in Brüssel. Der Posten des EZB-Vizepräsidenten wird im Juni nach dem Ausscheiden des Franzosen Christian Noyer frei.

Auch OeNB-Vizegouverneurin Gertrude Tumpel-Gugerell habe auf eine Kandidatur verzichtet, teilte Grasser während eines Treffens der EU-Finanzminister mit. Die größten Aussichten auf das Amt habe der griechische Notenbankchef Lucas Papademos. Beworben hat sich außerdem der liberale belgische Senator und Wirtschaftsprofessor Paul De Grauwe.

Grasser: Absage Liebschers bedauert

Grasser sagte, er habe die endgültige Absage Liebschers mit Bedauern zur Kenntnis genommen. Falls der Posten an Liebscher gegangen wäre, wäre dies eine große Chance für Österreich gewesen. Grasser will aber versuchen, im kommenden Jahr Tumpel-Gugerell zu bewegen, in das Direktorium der EZB einzutreten. 2003 wird wieder ein Posten vakant, weil das finnische Direktoriumsmitglied ausscheidet. "Ich kann aber niemanden am Halsband herbeiführen und zwingen, sich um den Posten zu bewerben", so Grasser. Grasser sagte, eine Bewerbung mache nur Sinn, wenn der Kandidat gewinne.

Der deutsche Finanzminister Hans Eichel ließ gegenüber der Presse offen, ob die Entscheidung über den EZB-Vizepräsidenten bereits beim EU-Gipfel Mitte März in Barcelona fallen wird oder erst später. Die Debatte darüber habe noch nicht richtig begonnen. Grasser habe gesagt, er hoffe, dass in Barcelona mehr entschieden werde als nur die Nachfolge von Noyer.(APA)

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