Sammelklage gegen Hersteller von Antibaby-Pillen

4. März 2002, 13:52
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Britische Frauen klagen wegen unzulässiger Aufklärung über schwere Nebenwirkungen

London - Mehr als 100 Familien bringen am Montag beim Höchstgericht in London Klagen gegen die Pharmakonzerne Organon und Schering ein, weil auf die Nebenwirkungen der Antibaby-Pille nach ihrer Ansicht nicht genügend hingewiesen wurden. Insbesondere die Bildung von Blutklumpen, die zu dauerhaften Gesundheitsstörungen führten und in zehn Prozent der Fälle sogar tödlich endeten, wäre laut den Beipacktexten nicht vorhersehbar gewesen, berichtete BBC-online am Montag. Die KlägerInnen fordern rund 17 Mio. Euro Schadenersatz.

Konzerne wiegeln ab: Kein Zusammhang mit Pille

Die Pharmakonzerne ihrerseits ließen verkünden, dass die Nebenwirkungen der Pillen der dritten Generation doch geringer sind, als jene der Vorgänger-Präparate. Die Konzerne argumentieren auch damit, dass die Erkrankungen in keinem kausalen Zusammenhang mit der Einnahme der Pille stehen. "Wir können sagen, dass unsere Pillen mit keinem größeren Risiko behaftet sind, als jede andere Pille, die heute oder jemals zuvor angeboten wurde", so Rob Kaper, Medical Director von Organon UK. Sprecher von Schering wiesen die Behauptungen als unhaltbar zurück. Die RechtsanwältInnen der klagenden Parteien argumentieren in einem ersten Statement, dass die Pharmakonzerne behauptet hätten, die neue Generation von Pillen senke das Thrombose-Risiko. Beweisen wollen sie, dass die Risiken bei der dritten Pillen-Generation wesentlich größer seien als die der Pillen zuvor.

Monatelanger Prozess erwartet

Das britische Gesundheitsamt meinte in einer Aussendung, dass auf das Risiko von Thrombosen bei der Einnahme von Anti-Baby-Pillen der dritten Generation hingewiesen wurde. Diese Thrombosen treten aber sehr selten auf und können auch bei Frauen auftreten, die keine Pille eingenommen haben. Das Risiko, bei Frauen, die orale Kontrazeptiva einnehmen, sei aber ein wenig höher. Das Risiko bleibe dennoch klein und niedriger als die Chance Kinder zu kriegen, so das britische Gesundheitsamt. So gesehen, gebe es keinen Grund die Pille abzusetzen. RechtsexpertInnen erwarten sich einen monatelangen Prozess.
(pte)

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    Oft kritisiert, noch öfter genommen: Die Produktpalette der hormonellen Kontrazeptiva ist mittlerweile groß.
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