Schmutzwäsche statt Sternstunde

4. März 2002, 18:27
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Stephanie Graf trennte sich nach der Niederlage gegen Jolanda Ceplak von ihrem Manager Robert Wagner, der sieht sich als Sündenbock missbraucht

Wien - Es hätte die Sternstunde der 27. Leichtathletik-Hallen-Europameisterschaften in Wien werden sollen, doch Stephanie Graf erlebte am Sonntag im Ferry-Dusika-Stadion den schlimmsten Moment ihrer Karriere: Die Titelverteidigerin über 800 m verbesserte zwar vor 5.000 begeisterten Zuschauern ihre Bestzeit auf sensationelle 1:55,85 Minuten, doch auch diese Fabelzeit reichte nicht zu Gold. Denn die Slowenin Jolanda Ceplak, die von Beginn an für eine Höllentempo gesorgt hatte, pulverisierte mit 1:55,82 den 14 Jahre alten Weltrekord der Ostdeutschen Christine Wachtel (1:56,40) und fing Graf mit den letzten Schritten noch ab.

"Vom Robert wahnsinnig enttäuscht"

Doch damit nicht genug, wurde dann in aller Öffentlichkeit auch noch private Schmutzwäsche gewaschen. "Nachdem ich nun schon seit vier Monaten mit meinem Manager wahnsinnige Probleme habe, werde ich mich von ihm trennen", erklärte Graf, ohne jedoch den exakten Grund für ihre Entscheidung auszusprechen. "Ich bin vom Robert (Wagner) einfach wahnsinnig enttäuscht." In Zukunft wird Graf vom niederländischen Topmanager Jos Hermens betreut werden. Der Vertrag mit Hermens, der auch die rumänische Wunderläuferin Gabriela Szabo managt, muss aber erst noch unter Dach und Fach gebracht werden.

Wagner: "Bin der Sündenbock"

Wagner meinte dazu, "es wäre vielleicht besser für Steffi gewesen, wenn sie sich schon vor der EM von mir getrennt hätte. Dann hätte sie im Finale den Kopf frei gehabt und ich wäre jetzt nicht der große Sündenbock."

Wagner, der zu den weltweit angesehensten Sportmanagern zählt, glaubt den wahren Grund für die Trennung zu kennen. "Meine Philosophie war es ja immer über ein und dieselbe Distanz mehrere Topathleten unter Vertrag zu haben. Und mich hat noch nie ein Athlet oder eine Athletin deshalb verlassen. Denn Konkurrenz belebt ja bekanntlich, wie auch das heutige 800-m-Finale gezeigt hat, in dem zwei Athletinnen über sich hinausgewachsen sind. Bei mir gibt es auch keine Stallorder, ich verlange von allen, dass sie gewinnen." Wagner verneinte auch Gerüchte, dass ihn mit Ceplak mehr als Sportliches verbinde.

"Da geht noch was"

Während die große Verliererin nach der Pressekonferenz weinend aus dem Stadion flüchtete, freute sich Ceplak über ihre Sternstunde. "Als Graf 150 m vor dem Ziel angriff, habe ich schon gedacht, dass es Silber wird und ich damit auch zufrieden bin. Doch dann habe ich auf der Zielgeraden, wo mein ganz Körper vor lauter Anstrengung schon irrsinnig gezittert hat, gemerkt, da geht noch was", schilderte die 25-Jährige, die sich heuer um mehr als drei Sekunden verbesserte, das hoch dramatische Finish. "Auf den letzten zwei Metern habe ich sie dann noch abgefangen und damit ist für mich ein Traum wahr geworden."

Im Sommer wird Graf ein Duell mit Ceplak allerdings erspart bleiben, da die Slowenin auf die 1.500 m wechselt und über diese auch bei der Freiluft-EM in München antritt. (APA/red)

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