"Web-Services" statt Programme am Rechner

4. März 2002, 10:28
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Microsoft, Sun, Oracle und IBM setzen auf Softwarevermietung

Zu den heißesten Trends der Computermesse CeBIT gehören dieses Jahr "Web-Services": Mit dieser neuartigen Verbindung von Software und Datenbanken im Internet soll die Ära des Personalcomputers endgültig zu Ende gehen. Computerprogramme werden nicht mehr auf einem PC installiert, sondern bei Bedarf im Internet aufgerufen - von einer Vielzahl unterschiedlicher Geräte. Der Benutzer zahlt dafür Mietgebühr.

Durchbruch?

Der weltgrößte Softwareproduzent, Microsoft, will sich bei dieser Technik - mit einem Fachbegriff Application Service Providing (ASP) genannt - schon vor dem Durchbruch an die Spitze setzen. Derzeit versucht der Konzern möglichst viele Programmentwickler für seine .Net (ausgesprochen: "Dot-Net")-Strategie, basierend auf der Programmiersprache XML (eXtensible Markup Language) zu gewinnen. Die Konkurrenz setzt hingegen vor allem auf einen weiteren Ausbau der auf Technik basierend auf der Programmiersprache Java. Diese Gruppe wird einmal mehr von Sun Microsystems, Oracle und IBM angeführt.

Umsetzung

Die praktische Umsetzung von Web-Diensten steht noch ganz am Anfang. Zu den ersten sichtbaren Ergebnissen gehört eine Art Reisepass für den Internet-Surfer: Das Passport-System von Microsoft soll unter anderem das Ärgernis abschaffen, dass man sich bei bestimmten Internet-Angeboten immer erst neu anmelden muss - und das einmal gewählte Kennwort vielleicht schon längst wieder vergessen hat. Eine andere Nutzung sind Finanzplaner, die mit Daten aus dem Internet automatisch die Kurse bestimmter Wertpapiere aktualisieren.

Virtuell

Das ist aber nur ein winziger Ausschnitt der Möglichkeiten, die sich mit Web-Services vor allem Unternehmen bieten. So wie ein Computerprogramm auf einem PC auf Daten in verschiedenen Verzeichnissen der Festplatte zugreift, sollen Software-Anwendungen künftig im Internet umher schwirren, verschiedene Web-Seiten aufrufen und dort vorgefundene Daten verarbeiten.

Objekte

Web-Dienste werden im Baukastensystem entwickelt, mit Bibliotheken von einzelnen Bausteinen, auf die ein Programm bei Bedarf zugreift. Diese Bestandteile von Anwendungen können auch an verschiedenen Orten im Internet gespeichert sein: Eine von Microsoft, Sun, IBM und anderen vereinbarte "Web Services Description Language" (WSDL) legt fest, auf welche Weise die verstreut liegenden Komponenten und Daten angesprochen und zusammengeführt werden.

Unabhängigkeit?

Das Betriebssystem - Windows, Mac oder Linux - spielt dabei eben so wenig eine Rolle wie das Empfangsgerät: Dieses kann nicht mehr nur ein PC sein, sonder auch ein Mobiltelefon, ein Taschencomputer (PDA) oder die Navigationszentrale im Auto. (APA)

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