"Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden"

5. März 2002, 05:00
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Zur Erinnerung an die Revolutionärin Rosa Luxemburg

Sie war immer auf der Flucht, lebte im Versteck und im Kerker, trug Decknamen wie Gracchus, Hierodus oder Spartakus und starb schließlich im Kampf um ihr Lebensziel: das gleiche Recht für alle, den Sieg der Arbeiterklassen über die Herrschenden.

Rosa Luxemburg wurde am 5. März 1871 in Russisch-Polen als Tochter eines Holzhändlers geboren, Kindheit und Jugend verbrachte sie in Warschau. Schon als Schülerin beginnt sie sich in illegalen politischen Zirkeln zu engagieren: sie schließt sich der sozialistischen Bewegung "Proletariat" an. Wegen drohender Verhaftung flieht sie 1889 in die Schweiz und immatrikuliert an der Philisophischen Fakultät der Universität Zürich, wo sie Seminare zur Staatswissenschaft, zur mittelalterlichen Geschichte, sowie zur Geschichte der Wirtschafts- und Börsenkrisen besucht. Hier lernt sie ihre große Liebe, den russischen Revolutionär Leo Jogiches kennen, dem sie sich seelenverwandt fühlt; die Liebesbeziehung soll 16 Jahre dauern.

Politische Aktivitäten

1893 unterbricht Rosa Luxemburg ihr Studium wegen politischer Aktivitäten, darunter die Gründung der polnischen sozialdemokratischen Zeitschrift "Sache der Arbeiter" in Paris, und der erste, allerdings illegale, Kongress der sozialdemokratischen Arbeiterpartei des Königreichs Polen, zu deren führenden Mitgliedern sie und Jogiches gehören. Sie setzt ihr Studium jedoch später fort und schreibt ihre Doktorarbeit über die industrielle Entwicklung Polens im Fach Nationalökonomie, wobei sie durch großes Wissen und brillanten Stil auffällt.

Scheinehe

Um in der deutschen Arbeiterbewegung mitarbeiten zu können, geht die sozialistische Politikerin 1898 eine Scheinehe mit Gustav Lübeck ein und zieht nach Berlin, wo sie sich der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) anschließt und dort schon bald eine herausragende Rolle einnimmt. Sie scheut sich trotz Gefahr der Verhaftung nicht vor öffentlichen Reden, schreibt revolutionäre Artikel zu wirtschaftlichen und sozialpolitischen Problemen und gibt Schriften wie die Broschüre "Sozialreform oder Revolution?" heraus, mit der sie in die "Revisionismusdebatte" unter Eduard Bernstein eingreift. Weil sie auch immer wieder den deutschen Militarismus und Imperialismus angreift, sitzt sie 1904 wegen Majestätsbeleidigung drei Monate im Gefängnis; 1906 wird sie in Weimar wegen "Anreizung zum Klassenhass" für zwei Monate festgenommen.

Der Kerker schreckt Rosa Luxemburg jedoch nicht davon ab, weiterzukämpfen: Im Oktober 1907 beginnt sie ihre Lehrtätigkeit an der SPD-Parteischule in Berlin, wo sie bis 1914 unterrrichten wird. Bei einer Kundgebung 1913 in Frankfurt am Main ruft die Politikerin zur Kriegsdienstverweigerung auf und wird dafür wegen "Aufforderung zum Ungehorsam gegen Gesetze und gegen Anordnungen der Obrigkeit" nach einem Hoch- und Landesratsverfahren wieder zu einer diesmal einjährigen Gefängnisstrafe verurteilt.

Kampf bis zuletzt

1916 verlässt Luxemburg das Frauengefängnis Berlin, ihr Wille ist ungebrochen: Sie gründet die antimilitaristische Gruppe "Internationale", aus der während der Novemberrevolution 1918 der Spartakusbund, später die KPD entstand. Bei den Januarunruhen 1919 muss sie wegen Verhaftungsgefahr ständig ihren Wohnsitz wechseln, weigert sich aber, Berlin zu verlassen. "Die Revolution wird sich morgen schon 'rasselnd wieder in die Höh' richten' und zu Eurem Schrecken mit Posaunenklang verkünden: Ich war, ich bin, ich werde sein!", schrieb sie voll Tatendrang in ihrem letzten Artikel vom 14.Januar. Am 15. Januar wird sie jedoch entdeckt - ihr Todesurteil: Gemeinsam mit Karl Liebknecht wird Rosa Luxemburg verschleppt, verhört, misshandelt und kurze Zeit später brutal ermordet. Ihre Leiche wird in den Landwehrkanal geworfen, wo sie schließlich am 31. Mai geborgen wird.

Isabella Lechner

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